Endzeit

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 Das Rädchen dreht sich...

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Clemens

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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Di März 10, 2015 7:20 am

Nachdem sein Körper aufgehört hatte Adrenalin auszuschütten, spürte Clemens auch schon den stechenden Schmerz in seinem Nacken. Während Clemens, Sybella und der Unhold sich in dem Zimmer ausruhten, holte seine Meisterin die örtliche Ärztin mit ihrem Assistenten.

Während die Assistentin sich um Sybellas Schürfwunden, Kratzer, Blutungen und leichten Schnitte kümmerte, untersuchte die Ärztin Clemens Wunde im Nacken. Nachdem sie mit einer langen Zange einen Dorn aus der Wunde vorsichtig heraus holte, desinfizierte sie die Wunde und legte ihm ein Pflaster auf. Die restlichen, leichten Wunden ließ sie ebenfalls vom Assistenten versorgen.
Im Anschluss untersuchte die Ärztin den Unhold und seine schweren Verletzungen. Die Frau war sichtlich überrascht, dass ein Wesen nach diesen Verletzungen noch stehen, geschweige denn überhaupt laufen konnte. Erst als Clemens sie darüber aufklärte, wer - oder eher was - es war, ging sie die Sache im Wesentlichen anders an. Die Wunden ließen sich ebenso wie bei anderen Lebewesen versorgen, doch schienen manche Körperfunktionen anders, oder gar nicht mehr funktionieren. Sein Blut schien es nicht mehr
am Leben erhalten und wollte auch gar nicht mehr gerinnen. Sie führte etwas Bienenwachs als Ersatz auf die Blutungen. Sie erklärte Clemens, dass das Wesen theoretisch unsterblich war und sie es sich selbst nicht erklären konnte, wieso es selbst nach den Kopfwunden nicht starb. Sie unterhielten sich noch eine Weile, beantworteten sich gegenseitig Fragen und nachdem nun die Wunden aller Drei versorgt waren, verabschiedeten sich die Ärztin und ihr Assistent.

Kaum war die beiden weg, schlug die Meisterin die Türe zu.
"Und nun zu Dir, Lemon!", sagte sie leicht gereizt. "Was hast du hier unten zu suchen?"
Clemens schluckte leise.
"Wir waren auf der Flucht vor der Polizei", antwortete er kleinlaut.
"Und die Kleine da? Was hast du mit ihr vor?"
"Ich heiße nicht 'Kleine'!", entgegnete Sybella trotzig. "Ich bin Sybella Georgia Argent!"
"Argent?", fragte die Meisterin fast schon brüllend. "Ist sie etwa die Tochter von...?"
"Ja", erwiderte Clemens. "Ich habe den Auftrag erhalten, das Mädchen zu ihrer Mutter zu bringen."
Sybellas Unterkiefer klappte nach unten. Sie wusste nicht, ob sie von ihrer Art, wie sie über sie sprachen, oder der Tatsache, dass sie so taten als wäre sie nicht dabei, sauer sein sollte, oder geschockt, dass ihre Mutter wohl tatsächlich noch lebte.
Die Frau hielt sich die Hand vor die Augen.
"Da hast du dir aber was eingebrockt mit dieser Familie", sagte sie und mit einem Wink zum Unhold fragte sie weiter. "Und das da?"
"Ein Geschenk des Doktor Frankenstein", sagte Clemens und wollte das Thema hiermit beenden.

Die Frau schwieg einen Augenblick, dann fuhr sie.
"Und sollst du das Mädchen bringen?"
"Indien."
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Varus

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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 12:40 am

Der Untote betrachtete die Frau. Sie sah ihn merkwürdig an und er sah auch, dass er der einzige hier war, der keine… Kleidung trug. Er meinte sich zu erinnern, dass es sich nicht schickte, unbekleidet herumzulaufen. Zumindest was den Schambereich betraf. Egal. Scheinbar schien es niemanden zu stören. Die Wunden der anderen beiden wurden versorgt und schließlich wurde auch er behandelt. Die Frau schien sichtlich verwirrt über seinen Gesundheitszustand und auch er fand es ja schon irgendwie komisch, dass er noch… lebte Er lauschte Lemon, als er über ihn erzählte und der Dame erklärte, warum er war, wie er war. Es war…. Eigenartig, wie er geschaffen wurde. Ein Mann mit dem Namen Frankenstein, schien seinen Körper geschaffen und Lemon selbst schien ihm dann echtes Leben eingehaucht zu haben. War der Mann, den er getötet hatte sein Erschaffer? Es war ja auch egal. Dennoch verstand er immer noch nicht, was er auf dieser Welt machte. Wie er ihn aus dem grauen Nichts befreit hatte und es anschließend geschafft hatte ihn in diesen Körper zu stecken. Er betrachtete seine Hände, drehte sie hin und her. Sie waren immer noch etwas… unbeholfen zu bewegen. Er streckte die Beine und die Arme, prüfte, wie es sich anfühlte. Dann sah er auf seinen Bauch, wo er die zugenähte Stelle berührte, wo er bisher geblutet hatte…

Die Ärztin verabschiedete sich schließlich, wobei er sie nur stumpf betrachtete und dann wechselte Lemon Worte mit der Frau. Er war der einzige Anhaltspunkt in diesem Leben. Lemon… das war der Name, an den er sich immer erinnern würde – so hoffte er. Auch die junge Frau gab ihren Namen preis und er sah auf den Boden. Er hatte keinen Namen. Man nannte ihn Monster und aus irgendeinem Grund… störte ihn das. Nicht, dass er sich beklagt hätte, weil er überhaupt dankbar war, nicht in dieser grauen Hölle wahnsinnig werden zu müssen, aber… Er fragte sich, ob er nicht auch einen Namen haben dürfe. Dürfen? Ja, er musste sich denen fügen, die ihn ins Leben geholt hatten, würde er es nicht tun… sie würden ihn ganz sicher wieder zurück schicken. Und das…. Wollte er auf keinen Fall.

Er stand sinnlos in der Ecke herum und versuchte nicht im Weg zu sein. Immer wieder betrachtete er seinen Körper und probierte ihn aus. Versuchte zu begreifen, wie er ihn bewegte und bewegte ihn in alle Richtungen. Auch die Feinmotorik, die noch nicht so richtig klappen wollte, übte er ein bisschen. Wenn auch nicht sehr erfolgreich.
Lemon würde das Mädchen zu einem Ort namens Indien bringen und er? Er würde sicherlich bei ihm bleiben, außer Lemon würde es ihm verbieten. Was auch immer nun passieren würde, der Untote würde versuchen, irgendwie herauszubekommen, was er hier sollte und wie er verhindern konnte zurückzumüssen.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 4:18 am

Meisterin Ruri gab sich mit Clemens' sparsamen Antworten zufrieden hatte sie ja auch in den Jahren seiner Ausbildung bei ihr nie eine andere Seite an ihm erlebt. Sie gab sich einverstanden, den Jungen und seine Begleitung aufs Festland zu bringen.

Kaum hatte Meisterin Ruri die Drei alleine gelassen, da fasste Sybella sich ein Herz und wandte sich an das Monster.
"D-Danke. Für vorhin", stotterte sie, während sie auf ihre Füsse starrte. "Ich ... ohne deine Hilfe könnte ich jetzt tot sein."
Sie schaute kurz auf und starrte in die gleichen goldbraunen Augen ihres Vaters.
"Wie heißt du eigentlich?", fragte sie ihn schließlich nach einer langen Pause und als es ihr nicht antwortete, schaute sie zu Clemens. "Er braucht noch einen Namen!"
"Es!", erwiderte dieser fast wie beiläufig, während er sein Messer reinigte. "Und Es braucht keinen Namen, Es ist nur ein Unhold! Eine Monstrosität."
Sybellas Wangen liefen Rot an. Es fühlte sich für sie so an, als würde er da über ihren Vater reden.
"Wie kannst du nur so über ihn reden? Er lebt und schau, er hat sogar ein Bewusstsein. Er versteht was wir sagen und beobachtet seine Umgebung. Er ist ein lebendes Wesen!", blaffte sie ihn wütend an und bäumte sich über ihm auf.
Clemens wollte gerade aufspringen und ihr ebenfalls etwas entgegnen, als die Tür des Zimmers aufgerissen wurde und Meisterin Ruri trat ein. Verdutzt sah Clemens von ihr zu Sybella, dann zum Unhold und schließlich wieder zurück zu Meisterin Ruri.

"Eure Fähre zum Festland geht in 1 Stunden von Land. Macht Euch bereit", sagte Meisterin Ruri und drückte Sybella ein Bündel bequemer Kleidung in die Arme. "So wie du jetzt rumrennst, weckst du zu viel Aufmerksamkeit, Kleine."
Ein weiteres Bündel warf sie dem Unhold zu.
"Und du könntest dir auch was anziehen, Großer."
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 4:37 am

Das Mädchen – Sybella sah ihn an und bedankte sich bei ihm. Er hatte sie nur auf den Befehl hin beschützt. Es schien also üblich, dass man sich dafür bedankte. Er sah sie bloß an und sagte nichts dazu. Was sollte er auch dazu sagen? Und dann fragte sie ihn nach seinem Namen. Auch dazu hatte er keine passende Antwort, weshalb er schwieg. Er sah dem Mädchen in die Augen und hörte zu was gesagt wurde. Er war nur eine Monstrosität. Das hielt der Mann namens Lemon von ihm? Nicht dass es ihn kümmerte, was man von ihm hielt, aber Sybella setzte sich dafür ein, dass er einen Namen bekommen sollte. Einen Namen zu besitzen machte ihn nicht stärker oder besser, aber… einen Namen zu besitzen unterschied ihn doch wohl wenigstens von diesen Kreaturen, denen sie zuvor begegnet waren oder nicht? Er ertappte sich dabei sich zu wünschen, einen Namen zu besitzen.

Die Diskussion fand ein jähes Ende und der Untote betrachtete die Sachen, die er anziehen durfte. Die Kleidung wurde ihm zugeworfen, traf ihn an der Brust und fiel zu Boden. Er betrachtete das Bündel, als wisse er nicht so recht, was er damit anfangen sollte und kniete sich schließlich herab. Auch das würde ihn von den Kreaturen unterscheiden. Ebenso wie ein Name. Eine schöne Vorstellung. Fast behutsam entfaltete er die Kleidung und hielt sie vor sich. Er betrachtete Lemon und dann adaptierte er von ihm, wie die Kleidung sitzen müsse. Er zog sie an, nachdem er den Befehl dazu erhalten hatte. Auch Stiefel hatte er bekommen und sah nun relativ normal aus und sah an sich herab. Er sah aus, wie ein Mensch und war erstaunt. Nun… war er immer noch ein Monster, wie Lemon sagte, aber er sah nicht mehr wie eines aus, nicht wahr? Irgendwie befriedigte ihn das.

Er hätte nun gerne auch noch einen Namen gehabt, aber er würde sich auch bloß mit der Kleidung zufrieden geben. Er blieb nun still stehen und schließlich öffnete er den Mund und schien etwas sagen zu wollen, doch dann machte er ihn wieder zu und schwieg. Wohl doch nicht. Konnte er denn überhaupt sprechen?
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 6:23 am

Sybella verschwand in einem angrenzenden Raum und zog sich derweil um. Als sie wieder kam, trug sie eine einfache Herren-Arbeiterhose, ein schlichtes Hemd mit einer Weste darüber und trug ein paar Arbeiterstiefel. Ihre Haare hatte sie schön säuberlich unter einer verfilzten Schiebermütze versteckt. Insgesamt wirkte sie sehr burschenhaft, auch wenn man bei genauerem Hinsehen die feineren Züge ihrer Wangen, ihres Kinns und der Augen wahrnahm.

Meisterin Ruri brachte Clemens, Sybella und den Unhold schließlich über die Kanalisation zum Hafen.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 7:31 am

Sybella zog sich ebenfalls um und legte ihr Kleid ab, um es durch eine Hose und ein Hemd zu ersetzen. Die Kleidung davor hatte besser zu ihr gepasst, doch wer war er, das in Frage zu stellen. Er wartete nur auf den Befehl zu gehen und als er diesen auch erhielt, folgte er gehorsam. Er lief ganz hinten, während sich die Gruppe einen Weg durch die Kanalisation schlug. Sie begegneten keinen weiteren Guhlen und die Frau, die ihm die Kleidung gegeben hatte, führte sie zum Hafen.

Es war wieder frische Luft zum Atmen, was dem Monster jedoch egal war, das Mädchen aber atmete einen tiefen Zug Nachtluft. Es war still am Hafen und der Untote beobachtete, wie ein Schiff einlief. Also Boot traf es eher. Soldaten kamen plötzlich überall her und schienen das Schiff überwachen oder besser in Empfang nehmen zu wollen.
Immer noch war es still und eine Person verließ das Boot, wurde aber von mehreren Soldaten begleitet. Die Person schien es sehr eilig zu haben, denn sie lief erheblich schneller, als es normal gewesen wäre. Der Untote sah nur noch einmal kurz hin, als plötzlich mehrere Kämpfe ausbrachen. Überall tauchten Menschen auf, die die Soldaten angriffen. Sie riefen irgendwas von unterdrückung und Kampf gegen die Krone, doch der Untote tat nicht auch nur im entferntesten so, als ginge ihn das was an. Fast gleichgültig betrachtete er noch kurz die Szene vor sich.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 8:09 am

"Diese Idioten!", zischte Meisterin Ruri, als sie den Angriff der Rebellen realisierte. "Wir hatten doch vereinbart, dass wir ihn bei seiner Ankunft nicht angreifen!"
Sie stürmte aus dem Kanal und versteckte sich hinter einigen zuvor abgestellten Kisten, um die Szenerie besser auszukundschaften.

Clemens verstand langsam, dass der Unhold auf ihn geprägt war und seinen Worten Folge leistete, beinahe schon apathisch und ohne Rücksicht auf irgendwelche Nachwirkungen. Er gab dem Unhold vorerst den Befehl bei Sybella zu bleiben und sie vor Angriffen, Verletzungen oder dem Tod zu bewahren.
Er selber huschte geduckt zu seiner Meisterin und beobachtete mit ihr zusammen den Angriff der Rebellen.
"Wer ist das?", wollte er von ihr wissen.
"Prinzregent Philipp, der Zweite in der Thronfolge. Wir haben seine Rückkehr vom Festland über Monate hinweg verfolgt."
Clemens überlegte einen kurzen Augenblick, dann kroch er zu Sybella zurück. Mit strengem Blick schaute er dem Unhold in die Augen, damit er seinen Befehl auch genau verstand.

"Du bringst mir jetzt diesen Kerl", er zeigte auf den Prinzregenten und beschrieb seine Kleidung, sein Haar und seine Position anhand der Soldaten. "Unversehrt hier her. Unversehrt: Das heißt unverletzt und am Leben."
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 8:47 am

Der Untote blieb bei Sybella, so wie Lemon es ihm aufgetragen hatte. Der Mann rannte gerade durch die Gegend und schien von den anderen Menschen, die die keine Uniform trugen angegriffen zu werden. Die andere Fraktion schien ihn zu beschützen. Es waren schwere Kämpfe laute Geräusche brausten durch die Luft. Er sah das Mündungsfeuer, der Donnerbüchsen und erkannte, dass das laute Knallen wohl aus den langen Waffen kam und der Vernichtung diente. Lemon kam zu ihm zu rück und sprach zu ihm. Er erklärte, dass er den fliehenden einfangen und hier her bringen sollte. Unverletzt und unversehrt.
Er erhob sich und lief erst normal und dann immer schneller durch das Getümmel. Einer der Soldaten richtete die Waffe auf ihn und drückte ab. Die Wucht ließ seine Schulter ein Stück nach hinten gehen und hielt ihn nur kurz auf. Der Soldat zog seinen Säbel und der Untote kam weiter auf ihn zu. Jetzt erkannte der Mann die blasse tote Haut, und das sein Kopf geflickt war. Er erstarrte kurz und schon hatte er die Pranke des Unholds an der Kehle, die er ihm aufriss. Er nahm das fallengelassene Schwert und marschierte unaufhaltsam auf den Prinzen zu. Es schien ihm egal, wenn er einen Hieb oder einen Schuss abbekam und die Soldaten stellten irgendwann fest, dass er offensichtlich kein normaler Mensch war.

„Feuer!“ rief jemand und die Kugeln schlugen in seinen Körper ein. Ein Säbel raste auf ihn zu, um ihn zu enthaupten und er parierte den Schlag und griff nach dem Angreifer, dem er kurzer Hand das Genick brach. „Stirb! Du elende Kreatur!“ Ein weiterer Soldat griff ihn an, das Schwert durchstieß direkt seinen Hals und das Blut lief ihm aus dem Mund, ehe er den Angreifer packte und den Kopf von den Schultern riss. Er beobachtete, wie die Zielperson in eine Gasse floh.
Nun, das wollte ihm so gar nicht passen und er senkte kurz den Blick, ehe sich sein Gesichtsausdruck, der bis eben noch vollkommen gleichgültig aussah einen gefährlichen zornigen und wilden Ausdruck annahm. Er fletschte die Zähne, was angesichts dessen, dass sein Mund voller Blut war sehr… gruselig aussah. Einige der Soldaten ergriffen sofort die Flucht, während andere gerade wieder anlegten. Der Untote setzte zum Sprung an, sprang dabei aus der Schussbahn und nun schien es so als sei er wütend. Berserkerartig und mit harten Schlägen zerfetzte er seine Feinde förmlich und schlug sich in Windeseile hinüber zu der Gasse. Er fing sich vier Kugeln ein und metzelte sich durch die Feinde. Dann ging er dem mann hinterher, der der noch von vier weiteren Wachen begleitet wurde und sein Bestes gab, zu fliehen. Der Untote setzte erneut zum Sprung an und landete mit einem Krachen vor dem Regenten, der schlitternd stehen bleiben wollte, stolperte, fiel und sich die Wange aufschlug.

Jetzt riss er den Kerl nach oben und die Wachen richteten die Waffen auf ihn. „Lass ihn los, du Monster!“ Monster… Das war er wohl wirklich in deren Augen und nicht nur in deren. Auch in denen von dem Mann, der ihn erschaffen hatte. Der Prinz jammerte, dass er ihn bitte gehen lassen möge und das die Wachen die Waffen herunter nehmen sollten. Schließlich konnte man nie wissen, wie der Entführer ausrasten würde…
„Die Götter mögen mir beistehen!“ Der Untote, der schon einmal ein Opfer hatte flehen hören, dass der Herr im Himmel ihm beistehen möge, sah auf den Prinzen herab. Er hielt ihm das Schwert an die Kehle und die Wachen legten die Waffen nieder. Dann packte der Unhold den Prinzen fester und dem Mann wiche die Luft aus den Lungen. Er sprang auf ein niedriges Dach und sprang dann weiter hinauf, bis er auf den Dächern stand und schließlich zurück in Richtung Hafen rannte, wo sich die Kämpfe langsam aufgelösten. Er sprang vom Dach auf den Platz und der Prinz stöhnte vor Schmerz, als sie am Boden aufkamen und sein Körper von dem Ruck geschüttelt wurde. Letztlich lief der Untote zurück zum Versteck. Dabei schien es ihm egal zu sein, dass er einige Wachen hinter sich her zog, die sich jedoch noch nicht trauten anzugreifen.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 10:07 am

Clemens sah dem Unhold nach, als dieser unbeirrt in das Kampfgetümmel hinein lief. Er hatte ein Ziel vor Augen und ließ sich auch nicht ohne weiteres davon abhalten. Es hatte seine Vorteile, wenn einem Kugeln, Klingen und Speere nichts ausmachten.
Clemens stahl sich unbemerkt an einen Soldaten, der ihm den Rücken zugekehrt hatte. Er versenkte seinen Dolch in dessen Niere und zerrte ihn hinter die Kisten. Nachdem der Soldat sich nicht mehr rührte riss er ihm sein Gewehr aus den Händen und legte diese, hinter den Kisten in Deckung gelegen, an.

Clemens traf sein erstes Ziel an der Brust. Rebell, der dem Prinzen soeben seine Klinge in den Bauch rammen wollte, taumelte zurück und wurde von einem der Leibwächtern des Prinzen mit einer schweren Keule erschlagen. Meisterin Ruri reagierte verständnislos, als sie sah, wie Clemens die Rebellen an griff.
"Bist du wahnsinnig?", fragte sie ihn und stieß ihn zur Seite, sodass sein nächster Schuss ins Leere ging.
"Wenn die Rebellen den Prinzen töten, wird die ganze Stadt versiegelt und der Hafenverkehr eingestellt. Ohne ihn steht unsere Weiterreise in Gefahr!", entgegnete Clemens und lud die nächste Kugel in das Gewehr.
Meisterin Ruri überlegte einen Augenblick.
"Lass mich mit den Rebellen reden, ich kenne ihren Anführer. Vielleicht kann ich ihn überzeugen uns zu unterstützen", sagte sie und rannte, noch ehe Clemens ihr etwas entgegnen konnte, hinter den Kisten versteckt auf die andere Seite des Hafens.

Der Unhold hatte mittlerweile die Verfolgung des Prinzen aufgenommen. Diesmal unterstützte Clemens ihn mit Unterstützungsfeuern auf die Soldaten.

Als der Unhold zurück kam, den Prinzen so in seiner Gewalt, und die Soldaten im Schlepptau, da rief er Sybella zu sich und sie gingen zum Unhold.
Die restlichen Soldaten ergaben sich, beim Anblick des entführten Prinzen und die Rebellen fesselten sie. Einzig und allein das Wort ihres Anführers hielt die Rebellen davon ab den Prinzen zu ermorden. Offensichtlich hatten Meisterin Ruris Worte ausreichend Gewicht ihn und seine Männer davon zu überzeugen, dass der Prinz lebend mehr Wert hatte.

Eine Stunde später fuhr das Schiff, mit welchem der Prinz angekommen war, aus. Clemens hatte die Crew davon überzeugen können, ihn und seine Gruppe an die indische Küste zu bringen, im Austausch gegen das Leben des Prinzregenten. Das notwendige Proviant und die Ressourcen erhielten sie bereits am Hafen.
Nur die Rebellen ließen sich nicht überzeugen den Prinzen aus ihrer Obhut zu geben und so fuhr ein Teil von ihnen, gemeinsam mit ihrem Anführer und Meisterin Ruri, mit.

Das Schiff fuhr noch früh am Morgen ab und segelte die Themse gen Osten zur Nordsee.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 10:45 am

Der Untote hatte seinen Auftrag ausgeführt und befand sich keine Stunde später an Bord des Schiffes. Er betrachtete eben den Schaden an seinem Körper und stellte fest, dass er vielleicht etwas ruhiger hätte vorgehen sollen. Was nützte ihm schon ein Körper, der auseinander fiel? Richtig. Gar nichts. Lemon ging es gut und sie segelten auf einem Fluss. Er konnte gar nicht anders als die ganze Zeit zu schauen. Der Morgen graute und das Licht fiel auf den Nebel, der über dem Fluss schwebte.
Ausdruckslos war er, so wie er da am Bug stand und wie ein Kapitän auf den Fluss hinaus sah. Er stellte fest, dass ihn der Anblick der Stadt faszinierte. Überall am Fluss standen Häuser. Menschen gingen ihrem frühmorgendlichen Tagwerk nach und der Untote blutete aus zahlreichen Wunden. Er hatte der Frau zugesehen, die ihn in den unterirdischen Wegen behandelt hatte und würde sich selbst verarzten können, wenn er denn das nötige Material dazu hatte. Doch…. Das hatte er nicht. Weder besaß er Nadel und Faden, noch konnte er die Blutungen stillen.

Sie segelten der Sonne entgegen und nun wo es etwas ruhiger war hatte er genug Zeit sich die beteiligten Personen anzuschauen. Da war einmal der Mann, den er hatte beschaffen sollen. Er war nicht unverletzt, wie er feststellte, denn er hatte sich die Wange aufgeschlagen. Doch Lemon hatte kein Wort dazu verloren, was ihm irgendwie sagte, dass es wohl nicht so schlimm war.
Dann war da die Frau, die Lemon als Meister bezeichnet hatte. Sie schien viel Gewicht zu haben, denn die Menschen richteten sich nach ihrem Wort. Sie war von Kopf bis Fuß rot und hatte eine Erscheinung, der man Ehrfurcht entgegen bringen könnte.
Ein paar der Männer und Frauen, die gegen die Uniformierten gekämpft hatten, waren auch an Bord und natürlich die Besatzung des Schiffes. Sie trugen praktische Kleidung um ihrer Arbeit nachgehen zu können und viele von ihnen hatten die Haut bemalt. Manche der Bilder waren anstößig, was dem Untoten natürlich nicht in den Sinn kam, weil dieser weder Anstand noch das nötige Wissen darüber hatte, was sich schickte und was nicht.
Sybella war auch an Bord. Als er sie betrachtete blieb sein Blick etwas länger auf ihr hängen. Sie hatte sich bei ihm bedankt und als er so darüber nachdachte stellte er fest, dass er nicht wollte, dass man ihr etwas antat. Wieso? Das war ihm selbst nicht ganz klar. Es war eben einfach so. Doch wusste er auch, dass er bezüglich Lemons Befehlen keine Kompromisse machte. Im Gegenteil. Er würde selbst ihr den Tod bringen oder ihr Gewalt antun, wenn er es denn verlangen würde. Doch war sich der Unhold auch darüber bewusst, das Lemon das Mädchen irgendwo hin bringen würde und so bestand wohl keine Notwenigkeit, ihr etwas anzutun.
Zuletzt betrachtete er Lemon. Auch auf ihm verharrte sein Blick eine ganze Zeit. Während er ihn betrachtete erwischte er sich dabei, dass er einen Wunsch hegte. Der Wunsch war vielleicht unbedeutend für den Mann, doch der Untote wünschte sich nichts mehr, als nie wieder in die stille, graue Leere zurückkehren zu müssen. Und er wusste nicht wieso, doch er glaubte, dass es in seiner Macht stand, ihn zurückzuschicken.

Wieder wendete er den Blick nun stur geradeaus vor den Bug. Sie segelten einige Zeit weiter und dann weiteten sich die Augen des Unholds kurz. Das Gewässer! Es war riesig! Überall erstreckte sich Wasser vor seinen Augen. Sie verließen den Fluss der in diese gewaltigen Wassermassen mündete. Er erinnerte sich: Das Meer. Sie segelten auf das Meer! Es war ein schöner Anblick und er konnte sich nicht satt sehen. Es war ein schöner Anblick? Ja. Es gefiel ihm. Er empfand Freude, doch sein Gesicht blieb ausdruckslos und ganz normal. Nur in seinen Augen konnte man dieses Funkeln erkennen, was man jedem Menschen ansah, wenn dieser Freude empfand. Das wusste der Unhold natürlich auch nicht.

Bevor der Prinz angekommen war hatte der junge Mann auf dem Schiff angeheuert. Er war eingehend überprüfte worden, bevor er Mitglied der Besatzung werden konnte und nun sah er verstohlen zu dem Mann, der aus zahllosen Wunden blutete. Er konnte kein Mensch sein und er verhielt sich seltsam. Dafür dass er so verwundet war, schien er keinen Schmerz zu spüren und auch so nicht sterben zu wollen. Sehr mysteriös. Dass sie den Prinzen nun erneut an Bord hatten, war nicht geplant gewesen und der Bursche verhielt sich, als würde ihn das trotzdem nichts angehen. Was sollte er auch machen?
Er half nun beim Segel setzen und stieg in die Wanten.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 11:17 am

Clemens schien in Gedanken. Sybella merkte, wie er sich von den anderen abwandte und sich auf dem Schiff zurück zog. Sie selber ergriff ein Tatendrang und so machte sie sich bei der Wundversorgung des Unholds nützlich. Auch wenn sie seine Präsenz nicht ausstehen konnte, so war sie dennoch froh, wenn der Unhold sie wenigstens vor möglichen Feinden beschützte.

Mit einer alten, rostigen Eisenzange, die sie bei einem der Seemännern geliehen hatte, zog sie jene Patronen aus dem Körper des Unholds, welche keine Austrittsstelle hatten. Fast ein Dutzend Patronen konnte sie erfolgreich entfernen, von weiteren war keine Spur.
Anschließend benutzte sie ein paar alte Leinentücher, die sie um die blutigen Schnittwunden und Einschusslöcher des Unholds legte, nachdem sie die gewaschen hatte, und diese fest verband.
"Spürst du denn gar nichts?", fragte sie ihn mit ruhiger, doch besorgter Stimme. "Und was passiert, wenn du noch mehr Blut verlierst?"

Clemens stellte sicher, dass der Prinz trotz seiner Gefangenschaft respektvoll behandelt wurde, seine Schürfwunde versorgt und sein Magen gefüllt.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 11:32 am

Der Untote bemerkte erst gar nicht, dass Sybella ihm helfen wollte. Sie kam zu ihm und schließlich fing sie an in den Wunden herumzuprokeln. Die Zange sah nicht so aus, als sei sie gesundheitsförderlich, doch was konnte ihm das schon anhaben? Gar nichts. Sie holte die Kugeln aus seinem Fleisch und er betrachtete sie reglos dabei. Er wandte sich ihr jedoch ein Stück zu. Er sah auf sie herab und wieder sah es so aus, als sei sie es in seinen Augen nicht mal wert betrachtet zu werden, was jedoch nicht sein Empfinden dazu war. Er machte das ja auch nicht absichtlich. Sie stellte ihm eine Frage und dann noch eine. Auf die erste konnte er antworten und seine ruhige fast sanfte Stimme war nun das erste Mal zu hören: „Nein.“ Das war’s dann aber auch schon wieder. Er sprach leise und wahrheitsgetreu. Doch auf die zweite Frage wusste er keine Antwort. Sie verband ihn und wusch die Wunden von Blut frei. Da er auf die zweite Frage keine Antwort wusste schwieg er. Er wandte den Blick zu einer kreischenden Möwe. Er betrachtete sie eine Weile, wie sie durch den Himmel segelte und sich immer wieder neuen Auftrieb verschaffte, indem sie mit ihren weißen Flügeln schlug. Er suchte ein Wort für die Kreatur, fand aber keines, außer Vogel.
Dann sah er dem Mädchen in die Augen. Sie waren blau wie der Himmel und tief wie die See. Er betrachtete sie scheinbar neugierig und schließlich drehte er sich von ihr weg. Und dann schien ihm etwas einzufallen, was ihn scheinbar ein bisschen überraschte, weshalb sich seine Augen leicht weiteten. Er hatte begriffen, dass man sich wohl für Hilfe zu bedanken hatte, auch wenn man unabsichtlich half. Deshalb sah er sie nun wieder an und sagte ebenso leise und ruhig wie eben schon: „Danke.“

Gerade flog wieder eine Möwe über sie hinweg und als wolle sie ihn für seine ungehörigen Blicke bestrafen ließ sie den Inhalt ihrer Gedärme freien Lauf. Der weiße Flatschen landete direkt auf seiner Brust und bildete da nun einen Kontrast zu seiner Kleidung. Irgendwie sah es nun fast niedlich aus, wie er an sich herab blickte und zu begreifen versuchte, was das nun wieder war. Er hob die Hand und wollte scheinbar darüber streichen um es zu untersuchen.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 12:15 pm

Sybella starrte auf den weißen Fleck. Sie kicherte leise, konnte sich jedoch ein kurzes Auflachen nicht verkneifen. Sie zog ein seidenes Taschentuch aus ihrer Tasche und hielt es dem Unhold unter die Nase.
"Hier, schau her", sagte sie und wischte den Fleck so gut es ging ab.

Gerade als sie die Themse verlassen hatten und sich die Nordsee vor ihnen erstreckte, rief einer der Seemänner auf. Vier vermeintliche Piratenschiffe waren am nordöstlichen Horizont aufgetaucht und bewegten sich auf sie zu. Der Kapitän des Schiffes wollte das Schiff kurz kehrt machen lassen und sich in der Sicherheit des Festlandes verstecken, doch der Anführer der Rebellen drängte ihn darauf, den Ärmelkanal zu befahren. Es dauerte nicht lang, dann stellte sich die Piratenschiffe als große Wikingerboote heraus und sie kamen schnell heran.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 11, 2015 12:43 pm

Der Untote betrachtete das Taschentuch mit einem Hohen Maß von Interesse. Sybella kicherte und schien sich wohl zu freuen. Wieso? Der Unhold betrachtete ihre zierlichen Finger, als sie ihm den Möwenschiss von den Sachen wischte er betrachtete dann ihren Mund, sie lächelte und aus einem ihm unbekannten Grund fand er, dass sie es öfter tun sollte. Aber wer war er, sich darüber ein Urteil zu erlauben. Es war ihr Mund und sie konnte damit tun und lassen, was sie wollte. Er griff schließlich nach dem Tuch und unvermeidlich auch nach ihrer Hand. Er selbst spürte dabei nichts, nur den leichten Widerstand, als er die eigene Hand um den Stoff schloss. Er wollte das Mädchen nicht erschrecken, nur die Bewegung nachahmen, aber sie schien es wohl nicht gut zu finden, wenn er sie berührte, weshalb er die Hand wieder öffnete und ihre zusammen mit dem Tuch frei ließ. Das Seidentuch segelte kurz zu Boden, ehe ein Windzug es wieder hinauf trug, wobei es drohte, davon zu fliegen. Schneller als er es sich selbst zugetraut hatte, fing er es im Wind ein und betrachtete es dann kurz, ehe er es ihr hinhielt, dass sie es wieder an sich nehmen konnte. Es gehörte schließlich ihr.

Ach du Sch… Der Matrose in den Wanten versuchte den Befehlen des Kapitäns Folge zu leisten, doch offensichtlich gab es Unstimmigkeiten. So war das nun auch wieder nicht geplant gewesen! Der junge Mann wusste nicht so recht, was er nun tun sollte und schließlich gab es den Befehl den Ärmelkanal anzusteuern. Sie setzten volle Segel und würden versuchen müssen, den Schiffen zu entkommen, ob das schlau war?

Der Unhold bemerkte schnell dass etwas nicht stimmte. Befehle wurden durch die Gegend gerufen und er selbst konnte nichts tun als zu warten. Weder kannte er sich mit dem Boot aus, noch wusste er, was die Männer hier überhaupt trieben. Er wusste nur, dass sie sich offensichtlich in Gefahr befanden. Er beobachtete die Schiffe, die sich stetig näherten. Und dann suchte er nach Lemon. Er war außer Sicht und so entschied sich der Untote dazu zu warten. Die Scheinbare Bedrohung musste beseitigt werden, doch von seiner jetzigen Lage, konnte er wohl eher nichts ausrichten. Er blickte zu Sybella. Er wusste, dass sie zu diesem Ort namens Indien gebracht werden sollte, das bedeutete wohl auch, dass sie lebend dort ankommen sollte. Oder irrte er sich? Sicherlich würden die Schiffe sie am Weiterkommen hindern, wenn sie erst mal da waren. Vielleicht konnte man sie zerstören.
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Clemens

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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Fr März 13, 2015 7:56 am

- zur gleichen Zeit, an einem anderen Ort -

Zwölf Wochen waren Holger und seine Männer bereits von ihrer Heimat fort. Die ersten Raubzüge an den nördlichen Küsten der Highlands, der Éyre und der Santos Espada waren durchweg erfolgreich. Mit drei Langschiffen, vier Begleitbooten und über 300 Männern waren sie losgefahren. Viele Freunde, Brüder, Vetter, Schwager seines Dorfes nahm er mit.

"Finn!", brummte der große, kräftige Mann unter seinem rotbraunen, buschigen Bart hervor, während er seinen strengen Blick gen brigannisches Handelsschiff hielt.

Die dicke rote Fleischwunde in seinem Gesicht pochte vor Schmerz. Die Wundheilung dauerte lange und entzündete sich immer wieder aufs Neue. Wenn er die Heimreise überstehen sollte, würde er im Frühjahr des nächsten Jahres eine kräftige Narbe tragen.

Ein Junge, klein, schlank und mit eiskaltem Blick richtete sich von seinem Ruheplatz am Mast auf und trat an Holger heran.

Die Narbe würde ihn auf immer daran erinnern. An die blutige Schlacht gegen die Marine der Santos Espada.
Die Kriegsschiffe der Gelben Krone hatten sie in einem Hinterhalt überrascht und seinen 30-Reiher, das größte Langschiff seines Dorfes, sowie zwei der kleinen 13-Reiher versenkt. Doch die anderen Schiffe blieben kaum verschont. Die notdürftigen Reparaturen hielten die Schiffe gerade noch so über Wasser, waren jedoch kaum Seeschlacht-tauglich.

"Ich gebe dir 15 von 100, wenn du dieses Schiff kaperst", brummte Holger unter seinem Bart.
Der Bursche schnaubte verächtlich.
"Du schuldest mir immer noch 12."
Holger schnaubte lachend.
"Also gut, dann schulde ich dir jetzt insgesamt 27 von 100."
"Ich will 20 von deinem Anteil und 30 von 100", erwiderte der Junge, dessen wildes blondes Haar in Gesicht hing.

Mit dem kampfbereiten Langschiff schleppten sie das zweite, stärker beschädigte Schiff, beladen mit den geborgenen Leichen ihrer Kameraden, hinter sich her. Wenn sie nach dieser letzten, hoffentlich erfolgreichen Schlacht zurück in ihr Dorf kehren würden, würde er das Langschwert gemeinsam mit den Verstorbenen gemäß ihrer Bräuche versenken, wo sie hoffentlich von den Walküren nach Walhalla getragen werden.

Holger war mittlerweile müde, sich mit dem Jungen um das Geld zu streiten. Herrje, er würde sogar zustimmen, wenn er nur mit der Hälfte, oder gar weniger zurück ins Dorf kommen könnte und so willigte er mit einem schwachen Lächeln und einem kräftigen Handschlag ein.

Nach dem Tod seiner Familie war ihm nichts mehr geblieben und so entschied er sich dafür, Schiffsführer ihres 30-Reihers zu werden. Eins hatte er selbst auf dem Drachenschiff unter der Führung des berühmten Ragnar die ersten Riemen bei ihrer Jungfernfahrt gerudert und er war dabei, als das Drachenschiff vor der Küste Éyres auf den Meeresboden sank.

"Eine Sache brauche ich noch", sagte Finn und deutete auf eines der beiden kleinen Ruderboote. "Gib mir 13 deiner besten Ruderer!"
Holger konnte sich ein Lachen nicht verkneifen.
"13 Ruderer für einen 13-Reiher, das mindestens neun Reihen braucht? Das sind 18 Mann, den Steuermann nicht mit einbegriffen! Wie weit erhoffst du dir, mit der Hälfte der Besatzung zu kommen?"

Finn war bereits auf das kleinere Boot übergesprungen und trug den Wikingern an Bord auf, den Lagerraum und allen Ballast auf das Langschiff zu bringen. Er schickte auch noch weitere Männer auf das zweite Langschiff, um die Leichen zu entkleiden und sie ihrer Waffen, Schilde und Helme zu entledigen.

"Bleibt außer Reichweite und wenn ihr einen Kanonenschuss in die Höhe seht", sagte Finn zu Holger, als das Boot auch schon mit einigen wenigen kräftigen Riemenschlägen an Fahrt gewann. "Das ist dann euer Signal!"

Während die kräftigen, kampfstarken Männer die Riemen ins Wasser schlugen, füllte Finn die Säcke mit den Kleidungsstücken der Toten und kleidete sie ebenfalls ein. Gemeinsam mit den aufgesetzten Helmen und den Schilden und Waffen im Anschlag setzte er die Attrappen an die Riemen der leeren Plätze der Steuerbordreihe.
Zur perfekten Tarnung ließ Finn jeden der Wikinger gleichzeitig beide Reihen rudern, sodass von außen alle 26 Riemen gleichzeitig ins Wasser ein und wieder auftauchten.

Sie holten schnell Fahrt auf und Finn versuchte ihr Boot backbords am brigannischen Handelsschiff vorbei zu fahren. Als sie sich dem Schiff auf Schussweite genähert hatten, schoss dieses zwei Warnschüsse in einige Entfernung von ihrem Boot in die Wellen.
"Rudert weiter!", rief Finn. "Wir müssen an ihnen vorbei."

Der Wind blies ungünstig für das Handelsschiff und so konnte es das Wikingerboot schneller überholen.
Schließlich kletterte Finn auf das Heck, Hose, Stiefel und Oberbekleidung abgelegt und wandte sich kurz an die Wikinger.
"Haltet Fahrt und beim ersten Donnern macht kehrt", sagte er und lies sich in die Wellen fallen.

Mit Hilfe eines Atemrohrs hielt sich Finn solange unter Wasser, bis ihm das Handelsschiff schließlich entgegen kam. Schnell zog Finn zwei Dolche aus den Halftern, welche er auf Höhe seiner Nieren trug und versuchte sie mit voller Kraft in den Rumpf zu schlagen. Der linke Dolch fasste kurz Halt in dem harten Holz, doch brach es schnell wieder heraus und so wirbelte Finn im Strudel des Fahrwassers. Erneut schlug er nach dem Holz, solange bis er schließlich für einen kurzen Augenblick fest hing und riss den anderen Arm hinterher, um sich abzusichern. Nicht zu spät, denn er hing bereits nahe dem Ende des Schiffs. Mit weiteren Schlägen zog er sich langsam den Bug hinauf.

Finn konnte nervöse Stimmen auf dem Deck hören, während er sich einen Augenblick erholte. Dann kletterte er weiter hinauf und schaute vorsichtig unter der Reling auf das Deck.
Er sah einen jungen Mann - vielleicht wenige Jahre älter als er selbst - dem ein eigenartiger Mensch folgte. Finn konnte in seinen Augen etwas kaltes sehen und ihn überkam ein Schaudern. Er kannte zwar die kalten Winter des Nordens, doch diese Kälte war anders und beunruhigte ihn. Es waren die Augen eines toten Mannes. Diesen Kerl würde er wahrscheinlich als einen der Ersten ausschalten müssen, schlussfolgerte er nachdem er sie eine Weile beobachtet hatte.

"Hey, du!"
Über ihm schaute ein Kopf über die Reling.
Ohne lange zu überlegen zog sich Finn mit Schwung nach oben und drückte sich von dem Schiffsrumpf ab. Er rammte seinen Dolch in die Schulter des Seemanns und zog ihn zu sich herunter. Während der Mann ins Wasser stürzte, hielt sich Finn an der Reling fest und kletterte mit einem schnellen Sprung an Bord des Schiffes.

Sofort waren mehrere Männer alarmiert und griffen zu ihren Waffen. Ein Mann rief hektisch Befehle aus und forderte die anderen, Finn zu töten.

Finn rannte auf den ersten Gegner zu, wich seinem Schwertstoss mit einer Rolle über seinen Rücken aus und rammte diesem seinen Dolch in die Niere. Er zog den Dolch wieder heraus und konterte den Säbelangriff des zweiten Angreifers mit seinen Dolchen. Finn verpasste diesem einen Tritt gegen den Solarplexus und drehte sich zum dritten Angreifer um. Erneut wirbelte er um seine eigene Achse und verpasste dem dritten Angreifer einen leichten Stoß, sodass dieser von der Reling fiel. Finn schnappte sich den zweiten Angreifer und hielt ihn vor sich als Schild, als er auch schon das Knallen der Pistolen hörte.

"Feuer einstellen!", schrie der Mann von vorhin, und Finn vermutete, dass er der Kapitän des Schiffes sein müsse.
"Hier sind überall Fässer mit Schießpulver!", warnte er die Schützen.

Finn rannte weiter auf die Männer zu, die er zuvor beobachtet hatte. Einem weiteren Schlag entging er, indem er in die Luft sprang und, sich vom Rücken des Angreifers abstoßend, in die Lüfte erhob. In der Luft startete er seinen Angriff auf den jungen Mann mit den kalten Augen.

Kurz bevor sich seine Klinge in die Schläfe des Jungen bohren konnten wurde sein Angriff unverhofft gestoppt.


Zuletzt von Clemens am Fr März 13, 2015 8:50 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Varus

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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Fr März 13, 2015 8:38 am

Der Unhold ging zu Lemon. Als das Boot sie überholte schien förmlich Chaos auszubrechen. Männer riefen durch die Gegend und es donnerte, weil die Männer ihre Waffen benutzten. Feuer einstellen vernahm er und fragte sich, ob es wirklich Feuer war, was aus den Rohren kam. Ein einzelner halbnackter Mann schien sich mit der ganzen Mannschaft anlegen zu wollen und Der Erstandene beobachtete, wie er sich seinen Weg frei kämpfte. Es schien so, als habe er es auf eine bestimmte Person abgesehen und diese Person sollte wohl Lemon sein, denn er kam unaufhaltsam näher.
Einen Augenblick hatte er noch Zeit zu überlegen und dachte darüber nach, dass der junge Mann mit den wilden blonden Haaren ihn von der Fessel befreien könnte. Doch… wollte er das wirklich? Wollte er überhaupt irgendwas. Wie in Zeitlupe erhob sich der Angreifer nun vor ihm in die Luft. Bereit den Dolch hernieder gehen zu lassen. Der Untote sah mit einem Mal nicht einen jungen blonden Mann vor sich, sondern einen gut bewaffneten Mann mit goldener Rüstung. Der Untote sah es vor sich, als sei es erst eben passiert. Ein Elf. Stattlich und erhaben mit Zorn in den Augen und Wut im Herzen. Der Untote spürte, wie etwas in ihm hinauf stieg. Es war vergleichbar mit Zorn und schließlich – bevor er überhaupt selbst darüber nachdenken konnte hob er schnell und irgendwie automatisch den Arm und packte die Dolchhand des Angreifers. Er nutzte nicht nur den eignen Schwung des Mannes, sondern benutzte auch einen großen Teil seiner eigenen Kraft, als er ihn schnell und mit einem beinahe zornigen Schrei über das ganze Deck schleuderte.
Dann setzte er ihm nach schupste dabei die Männer, die ihm im Weg standen zur Seite und bahnte sich den Weg zu dem Kerl. Eben wollte einer der Männer seinen Säbel auf den Jungen nieder gehen lassen, als der Unhold ihn packte und zur Seite schleuderte, weshalb er von Bord fiel. Es war fast so, als sei der Mann sein persönlicher Erzfeind. Wieso war das so? Er streckte die Hand nach dem Mann aus und wollte ihn eben aufheben und töten, als er sich aus seiner Reichweite entfernte. Der Untote betrachtete ihn, wie er sich zurück zog und sich dauernd gegen Angriffe wehren musste. Der blonde Mann war flink und schnell und ein richtiger Kämpfer. Nun setzte er ihm erneut nach und es störte ihn wenig verletzt zu werden, als er ihn endlich zu fassen bekam. Er hielt ihn mit ausgestrecktem Arm vor sich und hob ihn hoch. Und dann…
Der Unhold sah ihn an. Erkannte, dass er eigentlich überhaupt keinen Groll gegen ihn hegen sollte. Er war nur ein fremder Mensch, mit dem er nichts zu schaffen hatte. Was machte er hier eigentlich? Warum sollte er ihn denn eigentlich töten wollen? Wollte er nicht. Er ließ den Arm beinahe Zeitlupenartig sinken, sodass er ihn vor sich abstellte. Er blickte ihm in die Augen und ließ ihn los. „Geh…“, sagte er nur. Er wollte ihn zwar nicht töten, aber er wollte ihn auch nicht an Bord haben. Der Untote stellte nämlich fest, dass er Chaos verabscheute und Gewalt eigentlich wohl ebenso. Er wollte die Welt entdecken und so lange wie möglich beobachten und seinen Wissensdurst stillen. Außerdem wollte er, dass Sybella wieder lächelte. Sicher hatte sie Angst. Hatte er überhaupt das Recht irgendwas zu wollen?

Der junge Mann in den Wanten fluchte leise und zog schließlich die beiden Dolche an seiner Hüfte. Er wollte weder, dass der Prinz starb, noch wollte er als Gefangener auf einem Drachenboot schuften. Was tat dieser Kerl denn da? Er ließ ihn los? Wie töricht. Er sprang von dem Mast herab und versuchte seine Dolche ihn Kopf und Rücken des Angreifers zu treiben. Jedoch verfehlte er, weil der Krieger auswich. Mit beiden Dolchen vor sich haltend setzte er nun zum Angriff an. Er war sehr schnell, sein Gegner aber auch. Er griff mit der linken Hand an, die mit dem Dolch abgewehrt wurde und dann durchtrennte der Dolch der rechten Hand die Kehle… Nicht. Schon wieder verfehlt. Abwartend hielt er nun die Dolche vor sich. Sie kämpften gleich. Der Untote sah dem Treiben irgendwie gelassen zu. Es schien ihn gar nicht zu interessieren, wer der beiden sterben würde. Der Tod war unausweichlich… Nur er lebte ewig. Die Menschen fürchteten sich seit jeher vor dem Tod, aber auch nur weil sie nicht wussten, wie schrecklich und grausam die Ewigkeit sein kann.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Fr März 13, 2015 10:43 am

Finn wich eine Armlänge zweit zurück und stellte seine Rückendeckung sicher. Das hatte er nicht erwartet, dass es zum einen einen ebenbürtigen Kämpfer gab und zum anderen dieses Monster. Auch der junge Mann, den er zuvor als sein Ziel ausgemacht hatte, war ihm nicht geheuer, denn nachdem dieser dem stummen Kerl, der mit ihm das Deck hatte schrubben wollen, aufgetragen hatte Finn zu töten, schien dieser wie ausgewechselt und jagte ihn wie ein wildes Tier. Dieser Junge schien das Wesen dieses Mannes wie eine Marionette kontrollieren zu können. Während der Mann ihn zuvor noch hatte verschonen wollen, musste - ja, es schien ein Zwang zu sein - er ihn jetzt in seinem Auftrag töten.

Finn sprang mit einer Rolle knapp über den großen Mann hinweg und ließ seine Klingen durch dessen Fleisch gleiten. Obwohl dieser Kerl zu bluten schien, zeigte er keine Anzeichen von Angst, Schmerz oder Zurückhaltung.

Finn stürmte zum Hauptmast, an dem eines der größeren Seilzüge befestigt war. Er schnappte sich das eine Ende des Seiles und sprang mit einem Hechtsprung von der Reling. Er wartete bis sich das Seil spannte, rannte dann an der Schiffsseite entlang und an der anderen Seite wieder hoch. Das Seil hatte sich um zwei Kanonen gespannt. Finn zerrte ein wenig, merkte jedoch sofort, dass ihm die nötige Kraft fehlte, die Kanone durch reine Muskelkraft in Bewegung zu setzen. Er machte das eine Ende vom Seil mit einem Seemannknoten an einer dritten Kanone fest und blockte auch schon einen ankommenden Angriff ab.

Zwei, drei Schläge teilte er aus, dann durchtrennte Finn dem Angreifer die Finger der Waffenhand, sodass er ungewollt seine Waffe fallen ließ. Finn schnappte sich das Kurzschwert und schleuderte sie in hohem Bogen auf einen Soldaten, der soeben seine Waffe angelegt hatte. Die Klinge schnitt ihm von oben in die Schulter.

Der Messerspezialist hatte Finn wieder eingeholt und setzte ihm ein ums andere Mal zu. Finn kletterte auf das höher gelegene Deck, wo auch der vermeintliche Kapitän und zwei weitere Personen standen - eine Frau, ganz in Rot gekleidet, und ein anderer, bärtiger Mann. Einen kurzen Augenblick sah Finn Holger in seinem Bart wieder, doch dann sah er auch schon ein halbes Dutzend zornige Glühwürmchen auf sich zu fliegen. Er warf sich auf den Boden und rutschte ein kurzes Stück vorwärts. Auch die Männer griffen ihn mit ihren Waffen an. Einer traf ihn am Oberarm.

Die Situation wurde Finn viel zu brenzlig. Er sprang wieder vom Deck runter. Er schnappte sich das zweite Ende vom Seilzug und rannte damit an weiteren Seemännern und Soldaten herum. Ohne dass diese es realisierten, wickelte er die zweite Hälfte des Seils um deren Arme, Füsse oder Hälse. Als er der Meinung war, dass er genügend von ihnen beisammen hatte, stieß er die letzten beiden von der Reling, sodass sie das Seil mit sich nach unten zogen und somit auch weitere Männer. Finn blickte einen Augenblick lang auf, in der Hoffnung die Kanonen würden sich gleich aufrichten, doch da vernahm er aus dem Augenwinkel, dass am anderen Ende des Schiffes eine Kiste mit großer Geschwindigkeit in die Luft geschleudert wurde.

Verdammt, das falsche Seil. Finn schnappte sich das letzte, noch freie Seilende am Masten und - da stand schon wieder dieser Mann ohne Schmerzen. Aus der Nähe erkannte Finn schließlich, dass sein Hals vernarbt war. Finn wollte sich soeben davon machen, da erwischte ihn eine Pranke und schleuderte ihn in die andere Richtung. Der messerschwingende Mann war sofort zur Stelle und forderte ihn abermals auf. Finn sprang langsam auf die Beine. Offensichtlich hatte man mittlerweile mehr Erfurcht vor ihm, denn viele der Soldaten und Seemänner weigerten sich ihm näher zu kommen.

Finn tauschte noch einmal einige Angriffe mit dem Messerkämpfer aus, dann machte er einen unvorhersehbaren Ausfallschritt und ließ ihn hinter sich stehen. Aus dem Lauf heraus schnappte er sich wieder das Seil vom Boden und rannte auf den Mann ohne Furcht zu. Finn versuchte seinen Angriff durch eine Finte zu umgehen und stahl sich wieder hinter den Mann. Schnell wickelte er eine Schlaufe des Seils um den Hals des Mannes, stürmte sofort zum Anker und brachte dort das Seil fest. Die beiden Männer - der, der nicht sterben wollte und der Messerkämpfer - war bereits bei ihm und als der schmerzlose Mann nach ihm schlug ließ Finn dessen Schlag gegen die Kurbel des Ankers krachen. Der Angriff des Messerkämpfers traf ihn jedoch schmerzhaft.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Fr März 13, 2015 11:29 pm

Der Unhold hatte den Mann einen Moment beobachtet, wie er gegen den anderen Messerschwinger kämpfte. Und schließlich hörte er die Stimme Lemons. Er sollte den blonden töten. Nun waren hier mehrere Männer blond, aber er zählte eins und eins zusammen. Schon wieder töten. Er streckte die Hand nach dem Mann aus, der ihm aber entkam, weshalb er sich nun schnell auf ihn stürzte, dieser aber über ihn hinweg sprang und ihm zwei tiefe Wunden beibrachte.

Was dieser Kerl veranstaltete war nicht nur eine Bodenlose Frechheit, sondern in gleichem Maße auch eine artistische Meisterleistung, wie der junge Mann mit den beiden Dolchen feststellte. Immer wieder wehrte er sich gegen Angriffe, während er irgendwas mit einem Seil machte, Was sollte das werden?  Der Matrose setzte ihm nach, wurde jedoch unsanft von dem anderen Kerl zur Seite geschupst, weshalb er gegen einen anderen Matrosen stieß. So ein… Na gut, so konnte er vielleicht einen Hinterhalt aufbauen, indem er diese Kreatur als Ablenkung benutzte.

Der Untote schien keinerlei Notiz davon zu nehmen, dass ihm tiefe Wunden beigebracht worden waren, die einen normalen Mann ganz sicher außer Gefecht gesetzt hätten. Beängstigend. Spürte der Kerl denn wirklich gar nichts? Immer wenn der andere Messerkämpfer abgelenkt war, stieß er zu griff an und. Er richtete nicht wirklich Schaden an, aber auf Dauer würde er einen Fehler machen und dann würde es um ihn geschehen sein.
Nach einer Weile hatte er schon eine Verletzung am Oberarm und war den Schüssen aus den Gewehren ausgewichen. Es war irgendwie ehrfurchtgebietend, wie sich dieser Mann hier verhielt und wie geschickte er war. Flink wie ein Wiesel jagte er nun zum anderen Seil und schlang es um die Mannschaft, die kurzer Hand über Bord geworfen wurde. Sie wurden jedoch von einer Kiste „aufgehalten“ und hingen dort nun fest oder halb im Wasser. Sie schrien und dann fielen sie alle ins Wasser, während die Kiste aufs Deck krachte und die Planken teilweise zerstörte. Die Kiste krachte in  den Laderaum.

Der Untote hatte den blonden Mann nun auch wieder eingeholt und ehe er ihm erneut entkommen konnte, schlug er nach ihm. Er musste sterben, so wollte es sein Erschaffer. Doch als er ihm nun wieder hinterher ging, stand da schon wieder der andere Mann mit den Messern und bekämpfte den Blonden. Der Akrobat entwischte ihm erneut und befestigte das Seil am Anker. Jetzt war es aber genug! Er musste endlich sterben! Unaufhaltsam ging er auf den Mann zu und der Messerschwinger wartete auf den richtigen Moment.
Jetzt! Der Unhold schlug nach ihm und ganz sicher hätte er ihm alle Knochen im Leib zertrümmert und ihn mit diesen Angriff regelrecht zerrissen, denn die Kurbel des Ankers zersprang in mehrere Stücke. Holz splitterte durch die Gegend und die Ankerkette rasselte las. Der Untote, wollte eben erneut zu schlagen, als er plötzlich fortgerissen und in die Tiefen der See gerissen wurde. Der Messerschwinger hingegen hatte die Gelegenheit genutzt und stieß dem Angreifer den Grifff des Dolches in die Niere. Wieder griff er an und versuchte nun erneut seinen Dolch durch die Kehle des blonden Mannes zu ziehen, während er den anderen Dolch eben drehen wollte, um nun die Klinge in den Körper zu rammen.

Kurz spannte sich das Seil und drückt die Kanonenrohre nach oben, ehe der Kran ächzte und das Holz splitterte, wobei der Flaschenzug aus der Verankerung gerissen wurde und in die See stürzte. Das Seil an sich hielt und ließ das Schiff gefährlich schaukeln.

Unaufhaltsam raste der Anker nach unten in die Tiefe und der Untote tastete nach seinem Hals, wo sich das Seil fest drum herumgezogen hatte. Er versuchte es aufzuhalten, indem er links und rechts von seinem Kopf das Seil packte und beide Enden zu sich zog, um den Druck zu vermindern, der ihm ganz ohne Zweifel den Kopf von den Schultern reißen würde. Nun hing er dort, zwischen Anker und Bug des Schiffes. Es war sehr still hier unter Wasser und irgendwie war es schön, doch er hatte einen Auftrag zu erledigen. Er zappelte, versuchte das Seil zu zerreißen, aber es war so dick, dass es ihm nicht gelang. Wenn er den Anker am Seil hochziehen könnte… Doch das würde niemals funktionieren, weil er nicht nachfassen konnte und würde er loslassen, würde es ihm den Kopf von den Schultern reißen. Er konnte nichts tun als warten.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   So März 15, 2015 12:01 pm

Für einen kurzen Blick war er erschrocken, als er in die zornigen Augen dieses wilden Jungen blickte. Doch der Unhold reagierte schnell und blockte ihn in der Luft ab. Der Unhold drängte den Burschen zurück und blieb plötzlich stehen.
Von seiner anfänglichen Angriffslust war bei ihm nichts mehr zu sehen. Clemens verstand nicht wieso. Auch nicht, weshalb dieser Wilde ihn angreifen wollte. Schließlich gab es auf dem oberen Deck weitaus wichtigere Ziele. Der Prinz befand sich unter Deck und wurde von Sybella bewacht. Naja, zumindest hielt sie ihn am Leben mit Wasser, Fleisch und freundlichen Worten. Man merkte ihr eben doch an, dass sie eine Lady der High Society war.
Einen Augenblick beobachtete er den Wilden, dann reagierte er und sprach zum Unhold:"Töte diesen blonden Burschen, sofort!"
Der Unhold tat, wie ihm befohlen und schob dabei alles beiseite, was ihm in den Weg kam.

Vorsichtig hielt Sybella dem Prinzen einen Becher Wasser an die Lippen. Obwohl seine Hände weder verletzt, noch gefesselt waren, ließ er sich von der jungen Frau bei den einfachsten Tätigkeiten helfen. Auch das Essen führte sie ihm mit einem silbernen Löffel zu.
Die Wunde an seiner Wange war bereits versorgt, auch wenn der Prinz sich zimperlicher angestellt hatte, als Kleinkinder, die sich ihr Knie aufgeschlagen haben.
Sie sass auf dem Holzstuhl und er auf der Bettkante in der Kajüte des Kapitäns. Es gab auf dem Handelsschiff keine Zellen oder Käfige und so wurde das Zimmer zweckentfremdet. Es war Sybella, die darauf bestand, man könne einen Royalen nicht mit den Ratten und verschwitzten Matrosen unter Deck zusammen bringen. Die Männer gaben ihrem Widerstand schnell nach und so durfte sie die Kapitänskajüte beschlagnahmen.
Sie hörte ein Poltern, die Matrosen aufschreien und schließlich einen Schuss.
Sybella sprang auf und ging vorsichtig zur Tür.
Zu dem Rebellen, der an der Tür stand und zum Bewachen des Prinzes anwesend war, sagte sie mit strengem Ton:"Kein Haar wird ihm gekrümmt, oder ich sorge persönlich dafür, dass du dein Leben lang Latrinendienst hast. Und dann serviere ich Nanas geheimen Eintopf, den Darmreiniger, das verspreche ich dir!"
Der Wächter stutzte kurz, nickte dann jedoch fleissig, konnte es sich jedoch nicht verkneifen dem Prinzen einen finsteren Blick zu zuwerfen, sobald sie sich zur Tür gedreht hatte.

Clemens stand schon an der Tür und schob Sybella wieder in das Zimmer.
"Was ist hier los?", wolle sie wissen und schaute ihn mit ihren großen blauen Augen ratlos an.
"Ich glaube es ist einer von den Wilden, die unser Schiff überholt haben. Keine Ahnung ob der Junge alleine hier ist, oder warum er überhaupt auf unser Schiff gekommen ist. Aber wir sollten euch beide Unterdeck bringen."
Sybella rümpfte die Nase.
"Keine Zeit für Trödelei", erwiderte Clemens und wies dem Wächter mit einem Fingerzeig zum Prinzen. "Folgt mir!"

Clemens wartete bis er fest gestellt hatte, wo sich der Wilde aufhielt - er meinte ihn soeben auf das Oberdeck klettern zu sehen -, dann deutete er den anderen drei ihm durch die Luke ins Unterdeck zu folgen. Clemens sagte ihnen, sie sollen sich hinter den Säcken oder Kisten im Vorratsraum verstecken, während er selber in den Manschaftsraum ging um seinen Waffengürtel mit den zwei Radschlosspistolen zu holen.

Er kam gerade wieder heraus, da sah er wie der junge Wilde ein Seil um den Unhold warf und dieser kurze Zeit später über die Reling verschwand.
Clemens schaute kurz auf. Das Seilrad rollte sich ab und dann nahm er ein lautes Knarzen wahr. Er drehte sich um und sah, dass das gleiche Seil auf der anderen Seite vom Schiff hinter der Reling verschwand. Er hörte ein lautes Knacken, dann das Holz knarzen und schließlich wurde eine Kanone von Unterdeck durch das Deck gehoben.

Das Schiff neigte sich leicht auf die gegenüberliegende Seite.

Clemens hielt sich am Masten fest. Er hörte noch wie Metall über ihm riss, dann schlug das gespannte Seil auch schon zu Boden und zerschlug das Seilrad auf dem Deck. Die Planken brachen unter dem Seil oder wurden heraus geschlagen. Sofort lag das Seil wieder auf Spannung und zerrte weiter an den Kanonen. Die zweite brach durch die Decke und wurde über das Deck geschleudert. Das Seil rutschte über das Deck nach und drückte eine zweite Furche in das Holz.

Nachdem der Anker in den Abgrund verschwand, hatte Finn einen Augenblick lang nicht aufgepasst und einen schweren Schlag auf die Nieren kassiert. Er keuchte auf und fiel auf die Knie. Er ärgerte sich selber darüber, dass er unaufmerksam gewesen war und erwartete den Todesstoß, dann neigte sich das Schiff auch schon zur Seite und beide stolperten gegen die Reling. Finn klammerte sich sofort an der Reling fest und im nächsten Augenblick knallte auch schon das Seil auf das Deck. Finn sah noch, wie sich das Seil über das Deck schob und dem Messermann dabei die Beine wegriss. Mit einem Schlag traf dieser auf dem Boden auf, dann neigte sich das Schiff auch schon stärker zur Seite.

Clemens griff mit einer Hand nach seiner Pistole und zielte auf das Seil. Sein erster Schuss traf das Seil, doch hatte es noch genügend Widerstand um den Kräften stand zu halten. Er griff nach seiner zweiten Pistole und verfehlte diesmal nur knapp das Seil. Er fluchte leise, kauerte sich auf den Boden und robbte, mit seinem Dolch in der linken Hand, auf das Seil zu. Mit hektischen Bewegungen und bemüht nicht vom Deck zu rutschen, schnitt er das Seil durch, bevor das Schiff kentern würde.

Mit einem Schlag in beide Richtungen riss das Seil entzwei und das Schiff schaukelte wieder zurück. Das eine Ende verschwand spurlos unter der Reling im Wasser und das zweite schlug wie eine Peitsche in die entgegen gesetzte Richtung.

Clemens wartete, bis sich das Schaukeln einigermaßen gelegt hatte, dann traute er sich, sich auf zu richten. Als er sich aufgerichtet hatte, stand ihm gegenüber der Junge mit den wilden Augen, eine glühende Fackel in der einen Hand und die andere Hand an die Rippen gehalten. Neben ihm ragte das Kanonenrohr der ersten Kanone fast senkrecht in die Luft. Er grinste Clemens mit einem schelmischen Lächeln an, so als habe er ihm nur einen Streich gespielt, sprach etwas auf Nordisch und sprang dann er durch das Loch im Deck.

Der Knall hallte laut Unterdeck wieder. Sybella war durch das Schaukeln des Schiffes quer durch den Raum geschleudert worden und fand sich mit einem Schock, aber nur leicht verletzt zwischen den Kartoffelsäcken wieder. Oben war unten und unten war oben. Sie kletterte hervor, richtete sich auf und versuchte sich neu zu orientierten. Sie hörte einen dumpfen Aufschlag, dann stand da plötzlich ein kleiner Junge mit wilden blonden Haaren neben ihr.
Der Wilde, dachte sie und erinnerte sich an Clemens Worte.
Sie sah noch wie er die Glutfackel in seiner Hand an Lunte der Kanone neben ihnen, welche durch die Decke ragte, hielt und diese entzündete. Schnell kombinierte sie und wollte ihn aufhalten.
"Hey!", rief sie aus und streckte ihren linken Arm nach der Fackel aus.
Der Junge streckte ihr seinen linken Arm entgegen, um sie davon ab zu halten ihm die Fackel zu entwenden. Vorsichtig, aber bestimmt drückte er ihr gegen die Brust.
Beide verharrten und ihre Blicke trafen sich. Dann schauten beide auf seine Hand runter.
Sie spürte, wie er kräftiger zupackte und im nächsten Augenblick packte sie aus.

Die Ohrfeige schallte laut und es war für einen Augenblick das einzige Geräusche welches man Unterdeck hören konnte. Ihre Hand brannte wie Feuer und sein Gesicht mit Sicherheit umso mehr.
"Ich bin eine Lady!", schrie sie ihn mit hochrotem Kopf an. "Du Ar-"
Der Knall der Kanone übertönte ihre Worte und die Druckwelle schleuderte die schwere Kugel hoch in die Luft.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mo März 16, 2015 2:25 am

Das pure Chaos war am Deck im Gange. Das Schiff wurde regelrecht zerlegt. Überall gingen Sachen kaputt. Planken brachen, der Rumpf wurde oben an der Seite aufgerissen. Schwimmtauglich würde das Schiff noch eine Weile sein, fraglich war nur, wie lange noch. Der Messerschwinger hatte den Wilden verfehlt. , weil das Schiff plötzlich kippte, als habe ein Seeungeheuer es darauf abgesehen, sie zu kentern. Er suchte Halt, stolperte über das Deck und sprang dann kurz in die Luft um anschließend auf den Füßen zu landen, die ihm im selben Moment mit ungeheurer Kraft weggezogen wurden. Er krachte auf die Planken und sah Sterne. Der Schlag auf den Hinterkopf hatte wehgetan und ihn für einen Moment benommen gemacht und außer Gefecht gesetzt. Der andere Kerl, der scheinbar kein Schmerzempfinden hatte wurde ins Salzwasser gezerrt und würde dort nun ertrinken. Das Salz was in den Wunden brennen würde, wäre wohl eh sein kleinstes Problem. Vielleich wurde ihm auch schon längst das Genick gebrochen, was zu hoffen blieb, sonst würde der Tod qualvoller sein…

Wackelig stellte er sich wieder hin und hielt sich den Kopf. Er hatte gesehen, wie sich die Kanone aufrecht auf das Deck gestellt hatte und er fragte sich, ob es einfach nur in seinem Interesse lag, das Schiff zu demolieren. Was sollte das. Ein bisschen betäubt stolperte er über das Deck und plötzlich knallte das Seil und das Schiff schaukelte erneut, sodass er hin fiel und sich auf allen vieren irgendwie versuchte stabil zu halten. Er spürte wie ihm sein Blut in den Nacken lief. Ärgerlich.
Er hatte wirklich Glück gehabt, nicht von dem Seil getroffen worden zu sein. Denn der gewaltige Peitschenhieb, hätte ihn sicherlich schwer verletzt. Dennoch sprach er dem Kerl, der da in die Tiefe gezogen wurde keine Überlebenschancen zu, selbst wenn das Seil nun locker war… Sicherlich war er längst ertrunken, oder erwürgt oder gar enthauptet.

Er sah den blonden eben im Loch verschwinden, was die Kisten in‘s Deck geschlagen hatten. Der Messerschwinger torkelte darauf zu und fragte sich, wie viele Schutzengel dieser wilde Krieger wohl haben mochte. Eben wollte er hinunter springen, als sich ein Schuss löste. Die Kanonenkugel flog in die Höhe. Die Kanone selbst wurde aber durch die enorme Wucht nach unten gedrückt und richtete massiven Schaden unter Deck an.

Während all dies geschah befand sich der Unhold unter Wasser. Es war drückend still hier und er fühlte sich beinahe wie in der Endlosen Schwerelosigkeit, nur mit dem Unterschied, dass ein enormer Zug auf seinen Armen lag. Und er überhaupt Druck auf seinem Körper spürte. Immer wieder versuchte der die beiden Seilenden zu sich heranzuziehen, um vielleicht irgendwie den Kopf aus der Schlinge zu befreien aber der Zug war selbst für ihn einfach viel zu stark. Er war sich nicht sicher, aber er glaubte, dass es definitiv nicht so gut wäre, würde ihm der Kopf abgetrennt werden. Gerade versuchte er erneut sich aus dieser misslichen Lage zu befreien, als er überraschender Weise einfach noch weiter in die Tiefe gerissen wurde. Erst fürchtete er, dass vielleicht sein Arm abgerissen war, doch auch die Schlinge um seinen Hals wurde lockerer. Es ging jedenfalls sehr schnell. Er ließ das Seil los, weshalb sich augenblicklich wieder die Schlinge um seinen Hals schloss. Aus diesem Grund packte er auch gleich nach und spürte irgendwas in seinem Kopf knacken. Dann ganz plötzlich endete der Abstieg und er krachte in den weichen Meeresboden. Der Anker hatte den Meeresboden erreicht und blieb dort nun einen kurzen Moment liegen.

Oben an Deck wurde natürlich auch festgestellt, dass der Anker gefallen war und die wenigen Matrosen, die noch übrig waren sollten eigentlich die Segel einholen. Das Schiff würde ganz sicher kentern, wenn sie nun nicht abbremsten. Doch fast die ganze Mannschaft war mit einem Seil umspannt außer Gefecht oder tot.
Zu der Zeit beobachtete der Unhold wie die Ankerkette locker auf den Boden fiel, sich nach kurzer Zeit aber wieder spannte. Er hatte das Seil bereits von seinem Hals gelöst und zog sich zum Anker hin, der nun über den Meeresboden rutschte. Er wurde mitgerissen, weil er sich noch am Seil fest hielt und zog sich nun zum Anker hin. Von dort ergriff er die Kette. Er hatte verstanden, dass am anderen Ende der Kette das Schiff sein musste und dort musste auch immer noch der blonde Junge sein, den er töten musste. Mit kräftigen Armbewegungen hangelte er sich immer höher und zog sich in hoher Geschwindigkeit hinauf zum Schiff. Es war kinderleicht für ihn. Er durchstieß die Wasseroberfläche und es kam wie es kommen musste. Der Bug des Schiffes tauchte tief in Richtung Wasseroberfläche und der Unhold musste nur noch einen kräftigen Zug machen, um hinaufzugelangen, doch die Kurbel der Kette wurde aus dem Bug gerissen und er stürzte zurück ins Wasser, während das Schiff sich soweit auf die Seite legte, dass es fast umkippte. Der Untote suchte nach etwas, wo er halt fand und packte schließlich den erst besten Fuß. Er zog sich daran hoch und schließlich konnte er daran hoch klettern. Die Matrosen die da hingen und es nicht aus eigener Kraft schaffen konnten, flehten ihn an, sie zu retten, aber er schien gar nicht daran zu denken.
„Bitte! Helft uns!“ Der Unhold sah zu dem Mann herab, als er oben an der Reling stand und sah ihn an. Er hatte eine Aufgabe… Er suchte nach dem blonden Mann, fand ihn aber nirgends. Er ging einfach weiter und ignorierte die Matrosen. Aus seinen Ohren lief Blut und sein Hals wies deutliche Abreibungen auf. Er lief auf Lemon zu und sah dann hinunter. Die Kanone war losgegangen, kurz bevor die Ankerhalterung aus dem Bug gerissen worden war. Und nun sprang der Unhold ins Loch zum nächsten Deck, da der blonde Mann ja nicht auf dem Oberdeck zu sehen war. Er erblickte Sybella und auch den Blonden. Das Ziel war klar: Ihn töten. Er sprang auf ihn zu und versuchte ihn zu packen. Eines war klar, sollte der Unhold ihn noch einmal zu fassen bekommen, würde er sterben.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Di März 17, 2015 10:24 am

Clemens überkam ein mulmiges Gefühl in der Magengegend, als er den blonden Jungen unter Deck springen sah. Er sah nur kurz zu dem Loch hinunter und sah, wie dieser bereits die Lunte angezündet hatte. Instinktiv rannte er von der Kanone weg und alamierte die anderen Männer auf dem Schiff.
Der Schuss erschütterte das Schiff ein wenig, dann kehrte wieder Ruhe auf das Schiff.
Aus dem Wasser tauchte schließlich der Unhold auf und Clemens war erleichtert ihn wieder zu sehen. Er fragte sich erst gar nicht, wie dieser es geschafft hatte, sich aus seiner Situation zu befreien. Der Unhold suchte etwas auf Deck und ging dann schließlich zu dem Loch um ebenfalls hinunter zu springen.

Clemens wollte soeben hinterher, als er einen der Rebellen rufen hörte. Sein Blick folgte seinem Finger und schließlich den, sich nähernden Wikingerbooten. Sie hatten Fahrt aufgenommen und würden sie bald eingeholt haben.

"Mannt die Steuerbord-Kanonen! Lasst den zweiten Anker runter und rafft das Segel!", gab der Kapitän Befehle, während er am Steuerrad stand und dieses nach Steuerbord drehte. Das Schiff neigte sich nach Rechts und drehte sich nahezu an einer Stelle um ihren Bug, bis ihr Steuerbord gen die drei Wikingerschiffe zeigte.
"FEUER!"

Finn schrak auf, als der Halbtote nach ihm packte. Er machte einen Satz nach hinten und wich seinem Griff weg. Sofort setzte er mit seinen Dolchen an und versenkte die kurzen Klinge mit Schwung in dessen Oberarm.
Offensichtlich hatte es keinen Zweck ihn weiterhin anzugreifen, wenn er doch keinen Schmerz oder sonstwie Erschöpfung zeigte. Finn hingegen war schon ins Schwitzen gekommen und seine Verletzungen brannten schmerzhaft. Er zog die beiden Dolche wieder heraus und flüchtete sich mit einigen Sprüngen durch den Laderaum vom Untoten.

Holger sah wie die Kugeln durch die Luft schossen und ins Wasser eintauchten.
Eine der Kugeln traf ihr Segel und riss diesem ein großes Loch ein. Eine andere schlug ein großes Loch in eines der beiden Beiboote.
Holger gab seinen Männern den Befehl das Segel einzuziehen und die Riemen zu bemannen. Das Loch im Beiboot wurde mit einigen Ersatzplanken geflickt.
Die beiden Beiboote folgten Holger.

Clemens hörte es Unterdeck rumpeln. Offensichtlich hatte der Unhold Schwierigkeiten damit, seinen Befehl auszuführen.
Clemens ging an die Luke, öffnete diese und kletterte zu ihnen hinunter.
"Wo ist der Prinz?", fragte er Sybella, die wie angewurzelt neben dem Loch im Rumpf stand. Er schüttelte sie und fragte sie erneut, ehe sie aus ihrer Trance erwachte und zu ihm zurück kehrte.
"Hm? Oh!", rief sie aus und rannte sofort, und ohne Rücksicht auf ihre Umgebung, zu den Mehlsäcken, wo sie zuvor heraus geklettert war. Die Füsse des Prinzen ragten noch dahinter hervor und gemeinsam mit Clemens zerrte sie ihn behutsam hervor.
Der Prinz erwachte langsam aus seiner Ohnmacht und die beiden stützten ihn, bis er sich wieder selber auf den Beinen halten konnte. Gemeinsam flüchteten sie über die Treppe nach oben auf das Deck.
Das grelle Tageslicht blendete sie für einen Augenblick und sie waren gezwungen, ihre Augen zu schließen oder sie mit einer freien Hand zu bedecken. Die drei hörten ein immer lauter werdendes Pfeifen, dann zerbarst der Rumpf neben ihnen in tausende Holzsplitter. Unkontrolliert wurden sie über das Deck geworfen.

Brennende Kanonenkugeleln waren in das Schiff geflogen und hatten beim Aufprall brennendes Napalm im Innenraum verteilt. Das Feuer breitete sich rasch aus und brannte mit großer Hitze.

Nachdem sich Clemens von dem Pfeifen in seinen Ohren erholt hatte, sah er sich auf dem Deck um. Ein großes, brennendes Loch klaffte da, wo einst der Hauptmast auf dem Deck gestanden hatte. Fast schon zögerlich schaute er langsam gen Osten. Da, wo er eigentlich die Wikingerboote erwartet hatte, fuhren nun drei große Kriegsschiffe der brigannischen Marine in ihre Richtung.
Ein lauter Fluch entglitt Clemens, dann schaute er sich nach Sybella um. Auf der gegenüber liegenden Seite vom Deck sah er sie, bewusstlos in den Armen des Wilden Jungen, der über die Reling gebeugt stand. Gerade als er mit einem ausgestreckten Arm einen Schritt auf die beiden zu machen wollte, explodierte das Schießpulver Unterdeck und riss Clemens vom Schiff runter.
Während er im Wasser eintauchte, färbte sich der Himmel über der Oberfläche rot.
Er schloss die Augen und ließ sich fallen.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Di März 24, 2015 9:58 am

Dar Untote wollte eben nach dem Hals des Blonden packen, als dieser ihm die Messer in den Oberarm rammte, was ihn selbst redend nicht die Bohne interessierte, dem Burschen aber die Gelegenheit gab, erneut auszureißen. Der Untote nahm dies reglos zur Kenntnis und setzte dem Jungen nach. Er verfolgte ihn eine Weile. Stellte aber schnell fest, dass er ihn so nie bekommen würde. Gerade startete er einen neuen Versuch den Jungen zu fangen, als dieser ein Seil mit dem Dolch durchtrennte und mehrere schwere Kisten und Säcke auf den Untoten fielen. Er würde zu Boden gedrückt und der blonde Junge hatte genug Zeit zu entfliehen. Des Weiteren spürte er, wie sich das Schiff stark zur Seite neigte und die gesamte Fracht im Laderaum nahezu auf ihn drauf rutschte. Er spürte, wie der ein oder andere Knochen in seinem Leib brach, aber es tat ihm nicht weh. Dieser Körper würde nicht versagen, solange er den Willen dazu hatte. Er versuchte sich irgendwie zu befreien und stellte fest, dass er trotz seiner enormen Körperkraft kaum eine Chance hatte sich all der Dinge zu entledigen, die ihn einquetschten. Was Clemens und Sybella nicht ahnen konnten, als sie den Prinzen hervor zogen, dass sich der Untote nicht weit entfernt von ihnen am Heckende befand und wohl auch nicht traurig über Hilfe gewesen wäre, doch was hätten die beiden auch schon ausrichten können?

Der Messerwerfer und Matrose des Schiffes versuchte sich irgendwie zu orientieren und versuchte zu begreifen, was hier nun eigentlich los war und schon flogen Kanonenkugeln durch die Luft. Die Marine?! Wollten sie ihren Prinzen etwa töten? Er rettete sich mit einem beherzten Sprung ins Wasser und schon splitterte Holz über ihn hinweg, als er eintauchte. Bevor er das schützende Wasser jedoch erreicht hatte bohrte sich ihm einer dieser Splitter in die Seite. Er schrie auf und schluckte Salzwasser. Hustend tauchte er auf schaffte er es sich irgendwie an einer gelösten Planke festzuhalten. Er spürte seine Seite brennen und fluchte über diese Verletzung, die er erst mal auf sich beruhen ließ und an Land anschauen würde. Das Schiff… Der Frachtraum loderte wie die Hölle und der Messerwerfer sah mit großen Augen zu. Dann holte er tief Luft, als sie seine Lunge beruhigt hatte und tauchte ab. Im nächsten Moment brach die Feuersbrunst über seinen Kopf hinweg. Das Schiff würde gnadenlos sinken… Wofür das alles? Das Schießpulver war im Frachtraum gewesen. Alle die dort noch drinnen gewesen waren, würden unweigerlich tot sein.

Zumindest war es einer. Da er sowieso nicht wirklich lebte. Das Mehl und die anderen Kisten Säcke und Güter hatten seinen Körper vermutlich vor der vollkommenen Zerstörung bewahrt und nun wo er sich endlich einen Weg aus dem Gerümpel gekämpft hatte sah er auch, dass das Schiff nahezu zerstört war. Die meiste Bestatzung schien tot oder so verletzt, dass sie bald tot sein würden. Er suchte nach dem blonden Mann. War er nun tot? Wo war Lemon und das Mädchen? Sybella. Er suchte nach dem Blonden und glaubte ihn eben im Wasser zu sehen, als ein weiteres Pulverfass hoch ging, ihn von Bord riss und er spürte, dass etwas ihn in seinem gesamten Sein erschütterte. Es war irgendwie schmerzhaft und er spürte so etwas wie Furcht, dann war es still.

Der Messerschwinger, tauchte wieder auf und versuchte sich zu orientieren. Er war bereits weit vom Schiff entfernt, als eine neuerliche Explosion die Welt erschütterte. Er betrachtete seine Umgebung und sah einen der Leute dort treiben, die den Prinzen auf dem Schiff gefangen gehalten hatten. Er wollte wissen, was hier eigentlich los war! Er strengte sich en, mit der Holzplanke zu dem Burschen zu schwimmen und zerrte ihn mit einem beherzten Griff auf die Planke. Er ließ dabei einen angestrengten gedämpften Laut aus seiner Kehle, die einerseits von seinem eigenen Schmerz und andererseits von Anstrengung kündete. Schnell weg von hier. Er schob die Planke vor sich her und steuerte die Küste an. Erst mal raus aus dieser Suppe! Er war halb auf der Planke und mobilisierte all seine verbleibenden Kräfte. Den Prinzen schrieb er ab. Es war ihm eigentlich auch egal. Schließlich war er nicht für seinen Schutz befohlen.

Der Untote „öffnete“ die Augen. Er erschrak. Nein! Nein, nein, nein!!! Nichts…. Graues Nichts! Er bekam Panik! Nicht schon wieder! Er wollte nicht wieder in dieser grauen Leere gefangen sein! Er wollte schreien, aber er hatte keine Stimme. Verzweiflung und Furcht bestimmten sein gesamtes Sein! Und doch… konnte er nichts dagegen tun.

Der Messerschwinger hatte nach schier endloser Zeit die Steile Küste Englands erreicht. Er schob die Planke an den seichten Strand und sammelte neue Kräfte. Er schob den jungen Mann weiter und weiter und zerrte ihn schließlich an Land. Es war schon später Nachmittag und nach einer Ewigkeit – so schien es ihm – hatte er es endlich geschafft sie beide aus dem Wasser an den Strand zu schaffen. Seine Kehle brannte vom Salzwasser und er brauchte dringen Wasser. Wie ironisch, da war ein ganzer Ozean vor sich und doch würde ihn das Salzwasser umbringen, wenn er dem Drang nachgeben würde zu trinken. Er betrachtete seine Seite, an der Blut herab lief und zog sich den pflockähnlichen Holzsplitter aus selbiger. Er gab einen Schmerzenslaut von sich und warf das Holz zu Boden. Er stöhnte und nahm sein Kopftuch ab, was er zusammen mit einem Streifen seiner nassen Weste als eine Art Druckverband anlegte. Nicht gut. Immerhin desinfizierte das Salzwasser und er biss die Zähne zusammen. Erschöpft betrachtete er den Mann und spürte die Erschöpfung seines eigenen Körpers. Er schleppte sich zu dem Kerl und „entwaffnete“ ihn. Zumindest nahm er ihm alle sichtbaren Waffen und wickelte diese in den Rest seiner Weste. Dann versuchte er ihn zu wecken. Am Leben jedenfalls schien er ja noch zu sein.

Der Untote würde in seiner grauen Hölle gefoltert. Er wusste nicht, wie lange es dieses Mal dauern würde und fand sich mit dem Schicksal ab, was ihm zu Teil wurde. Er versuchte bei Verstand zu bleiben. Wie viel von seinem Verstand war überhaupt noch da? Es schien jedenfalls eine Ewigkeit zu vergehen und plötzlich konnte er hören. War da nicht eine Stimme? War da nicht die Stimme eines Mädchens? Hoffnung keimte auf. Er konnte nichts verstehen, doch da war eine weit entfernte Stimme oder nicht? Er versuchte sich daran zu klammern, versuchte irgendwie näher zu ihr zu kommen und schließlich hörte er ein Wort ganz klar und deutlich! Hilfe oder war es nur ein hilf? Erneut zersplitterte die Welt und als er die andere Welt berat hörte er ein rauschen, einen Vogel und eine Stimme. Seine Augen waren weit geöffnet und er hörte seine eigene Stimme. Es war ein halbherziger Schrei, eher aus Überraschung, als irgendwas sonst. Seine Augen zuckten umher. Sybella! Er sah sie klar und deutlich vor sich. Er wusste nicht, was passiert war aber er war nicht mehr in der Leere und ihm wurde bewusst, dass er eine starke Empfindung in seiner Seele ausmachen konnte. Freude… Wirkliche und echte Glückseligkeit!
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   Mi März 25, 2015 8:51 am

Finn schreckte zusammen, als die ersten Kanonen eingeschlagen hatten. Wie ein wildes Tier blickte er um sich. Die lauten Geräusche machten ihn nervös. Erneut hörte er zuerst ein leises Pfeifen und nach einem Blick zum Himmel sah er auch schon die nächsten brennenden Geschoße auf das Schiff zu fliegen. Finn ergriff die Flucht und rannte quer über das Deck auf die andere Seite des Schiffes. Aus dem Lauf heraus umklammerte er das hübsche Mädchen von zuvor um die Hüfte und lehnte sich mit seinem Oberkörper über die Reling, sodass er mit ihr zusammen von Bord stürzte.
Er hörte sie nur noch fluchen und kurz darauf aufschreien, als beide auch schon ins Wasser eintauchten. Kurz darauf leuchtete auch schon das Schiff in rot-goldenem Flammen auf.

Die Explosion riss das Schiff in Zwei. Diejenigen, die sich von Bord retten konnten, wurden von Trümmern bombadiert, während andere von der Druckwelle fortgeschleudert wurden. Ein Großteil der Anwesenden überlebten die Explosion direkt oder indirekt nicht mehr.

Clemens spürte wie das kalte, salzige Meerwasser in seine Lungen einschoss. Sehr bald gab er den mühseligen Kampf gegen das Wasser auf und ließ sich wie ein Stein zu Boden sinken.
"Kämpfe!"
Clemens wagte es nicht, doch langsam öffnete er seine Augen. Eine hell leuchtende Gestalt schwebte über ihm.
"Du wirst noch gebraucht, Sohn von Staub und Asche!"
Die Gestalt streckte ihren Arm nach ihm aus. Das Licht der Gestalt verblasste, als sich von ihrem Inneren eine dunkle Silhouette bildete. Das Licht der Gestalt wich der schimmernden Reflektion der Sonne an der Meeresoberfläche und die dunkle Silhouette packte ihn an der Schulter.
Clemens spürte wie ihn die zweite Gestalt aus dem Wasser zerrte und schließlich tauchten sie über dem Wasser wieder auf. Clemens wollte nach frischer Luft schnappen, doch zuerst musste er das Wasser aus seinen Lungen ausspeien.
Er wartete einen Augenblick, bis er wieder normal atmen konnte und half seinem Retter dann dabei zurück an Land zu paddeln.

Die beiden jungen Männer kamen wenige Minuten später an einem felsigen Strand an. Clemens ließ sich sofort auf den Boden fallen, sobald er mehr als einen Schritt vom Wasser entfernt stand. Er keuchte nach der kostbaren Luft.
"D-danke!", sagte er zu seinem Retter.

Finn tauchte mit dem Mädchen in den Armen unter den herabregnenden Trümmern hinweg. Auch einige Leichen kamen aus der Luft herunter.
Nachdem der Trümmerregen aufgehört hatte, tauchte Finn wieder auf und brachte sich, sowie das Mädchen an Land. Er zog sie über den steinigen Strand und ließ sie schließlich liegen.
Fasziniert schaute er sie sich genauer an. Ihre Augen waren geschloßen, ihre Lippen Blau. Er legte sein Ohr an ihre Brust, konnte sie jedoch weder atmen, noch ihr Herz schlagen hören. Auch ihr Brustkorb und ihr Zwerchfell zeigten keine Bewegung. Finn beugte sich über ihr Gesicht und wollte ihr soeben den Odem wieder einhauchen, da verspürte er einen brennenden Schmerz an seiner Wange. Erschrocken ließ er sich rückwärts fallen und rieb sich die brennende Wange.

Sybella keuchte auf und spuckte das Salzwasser aus ihrer Lunge. Das letzte woran sie sich erinnern konnte, war der Nordmann, der sie von Bord des Schiffes gestießen hatte. Danach brach ihre Erinnerung ab. Sie spürte einen Griff um ihre Schultern die sie auf die Seite drehte, sodass sie das Wasser leichter heraus bekam.
Sie hörte einige seltsame Laute, dann schlug ihr jemand  mit sanften, jedoch ruckartigen Schlägen gegen den Rücken, sodass sie mehr als nur das Wasser wieder heraus spuckte.

Als sie das Gefühl hatte fertig zu sein, drehte sich Sybella zu ihrem Helfer um.
"Du?", sie schaute in die hellen blauen Augen des jungen Nordmannen. Ohne es rational erklären zu können, lehnte sie sich zur Seite um an dem Jungen vorbei schauen zu können. In vielen Schritt Entfernung sah sie die Silhouetten von zwei Personen in ihre Richtung kommen.

Nachdem sich Clemens bei dem Matrosen für seine Rettung bedankt hatte, orientierte er sich und stellte bald fest, dass sie an der briganischen Küste, nahe der Stadt Dover an Land gegangen waren. Es war ihm zwar nicht unangenehm, dass er sich erhofft hatte an der Küste von Fyrenz an Land gegangen zu sein, doch es war ihm unangenehm, dass er seine Mission für einen Augenblick vergessen und letztendlich vernachlässigt hatte.
Clemens stellte ebenfalls fest, dass ihr Schiff und die anderen von der Strömung weiter gen Westen abgetrieben waren. Wenn die anderen es auch an Land schaffen würden, dann müsste er sie in westlicher Richtung suchen.
Der Matrose schien ihm bei der Suche helfen zu wollen und Clemens ließ diesen - gegen seine Überzeugungen - gewähren.

Die beiden liefen einige Meilen der Küste ab. Neben ihnen spülte die Brandung Wrackteile und Körperteile an die Küste. Viele von ihnen waren Matrosen, doch keinen von ihnen erkannte Clemens wieder. Weder Sybella, noch den Unhold. Auch nicht den Wikinger, oder Meisterin Ruri oder ihren Bekannten. Aus diesem Grund machte Clemens auch keine Anstalten die Leichen zu bergen oder zu untersuchen.
Nach über einer halben Stunde blieb Clemens ohne Vorwarnung stehen und blickte die Küste entlang nach Westen. Dort nahm er zwei Personen wahr, eine von ihnen kniete über der liegenden.

Sybella sah zuerst etwas in dem Kopf einer der beiden Gestalten aufleuchten und einige Sekunden später hörte sie einen lauten Knall. Der Nordmann-Junge drückte sie auch schon zu Boden und als Nächstes schlug ein Musketengeschoss hart neben ihnen in den Steinen ein.
Der Nordmann reagierte sofort und zog sie auf die Beine. Die Felsenklippen vor ihnen waren zu steil um sie zu erklimmen und so drängte er sie die Küste entlang weiter Richtung Westen. Die beiden rannten und stolperten über den unebenen Untergrund. Erst jetzt bemerkte Sybella, dass er hinkte und bei jedem Schritt mit den Schmerzen kämpfte.

Erst jetzt bemerkte Clemens, dass er seine Waffen verloren hatte. Er fand neben ihnen, bei einer angespülten Leiche, eine Muskete und griff nach dieser. Sofort legte er das Gewehr an und zielte auf die Gestalten vor ihnen. Clemens hatte ein sehr gutes Auge und hatte sich bei vielen Turnieren als ausgezeichneter Scharfschütze verdient gemacht. Sobald er sein Ziel fixiert hatte, drückte er ab und das Schloss schnellte nach vorne.

Ein weiterer scharfer Knall, dann stürzte der Nordmann hinter Sybella zu Boden. Sie blieb stehen, rannte zu ihm und wollte ihm helfen, doch die beiden Gestalten hatten bereits aufgeschlossen. Sie wollte ihm aufhelfen, doch er schüttelte sie von sich ab und rief ihr etwas in seiner Sprache zu. Sie verstand an seinen wegstoßenden Bewegungen, dass sie ihn zurück lassen sollte. Sie wollte protestieren, doch der Junge zog einen Dolch hervor und drohte ihr mit der Klinge.

Clemens jubelte. Er hatte sein Ziel getroffen und diesen zu Boden geworfen.
Er lief jetzt etwas schneller in ihre Richtung.

Das Mädchen hatte ihn verstanden und war schließlich weiter gelaufen. Die Kugel traf Finn in der linken Schulter. Er warf sich hinter eine Felsformation und hielt sich mit seinem Dolch in der Hand in Stellung. Es dauerte nicht lange, dann hörte er das Knirschen der Steine und ein lautes Gespräch zwischen den beiden Männern. An ihren Stimmen und Schritten hörte Finn heraus, dass sie in einigem Abstand zueinander liefen. Finn schnellte hervor, stieß seinen Dolch demjenigen, der ihm am nächsten Stand von unten in die Milz und drehte dann seinen Körper zwischen sich und den zweiten Mann. Der Schuss durchbohrte den ersten Mann durch den Rücken, durchlöcherte seine Lunge und fand seinen Weg wieder durch die Brust nach draussen. Nur knapp verfehlte das Geschoss Finns Schulter, da er mehr als einen Kopf kleiner war. Danach warf er sich wieder hinter den Felsen und lag keuchend und mit schmerzenden Fuß sowie Schulter. Er hörte nur noch einen Pistolenschuss und das Brechen des Geschosses an den Steinen.

Sybella erreichte eine flache Stelle der Küste und rannte die steile Böschung hinauf. Auf der anderen Seite stolperte sie und fiel flach ins Grad auf den Boden. Sie blieb einige tränenreichen Atemzüge am Boden und erwartete auch schon einen brennenden Schmerz eines Schusses, doch dieser blieb aus. Sie drehte sich auf den Rücken und blickte zum blauen Himmel auf. Es war trügerisch still. Sybella zählte bis zehn, dann drehte sie sich langsam wieder auf den Bauch und robbte sich vorsichtig zur Kante vor. Sie wagte einen kurzen Blick zur Küste runter, doch was sie sah verschlug ihr den Atem.

Vor der Küste war ein Kriegsschiff der Briganischen Marine vor Anker gegangen. Zwei voll bemannte Beiboote waren bereits zu Wasser gelassen und ruderten gezielt in ihre Richtung.

Sybella kämpfte mit den Tränen. Sie hatte Angst um ihr Leben und wollte fortlaufen. Weit weg. Landeinwärts, weg vom Strand, weg vom Wasser, weg von den Schiffen. Weit, weit weg von allen die ihr weh getan hatten. Der Nordmann, der Junge der sie entführt hatte, ihr Onkel und der Unhold, alle!

Sie erstarrte und ein kalter Schauer überkam sie. Verkrampft ging sie nochmal hoch und blickte ein weiteres Mal über die Kante. Da lag er, tatsächlich. Sie hatte ihn zuvor wohl nicht bemerkt, doch dort am Strand lag der Unhold regungslos. Sie schaute wieder zu den Booten und realisierte, dass die Boote bereits in der Nähe des Unholds an Land gegangen waren.
Auch ein Blick zu dem Nordmann machte ihr wenig Hoffnung. Eine der beiden Männer die sie angegriffen hatten lag am Boden, der zweite kniete über ihm und schien ihm seine Waffen zu entwenden.

Clemens stand über dem Körper zu seinen Füssen. Mit dem Fuss drehte er den Oberkörper herum und nickte, so als würde er jemandem zustimmen wollen.

Sybella überlegte nicht lange und sprang auf ihre Beine. Mit von Tränen verschwommenem Blick stürmte sie in Richtung des Unholds.
"WACH AUF MONSTER! BITTE, STEH AUF!", schrie sie ihn an als sie über die Steine des Strandes rannte.

Das Marineschiff feuerte aus allen Kanonen ins Landesinnere.

Eine Kugel brach neben ihr in den Boden und schleuderte sie durch die Luft. Sybella landete hart mit dem Gesicht auf den Steinen auf.
Unter Tränen schluchzte blickte sie auf:"Hilf mir!"

"Der Prinz lebt noch", sagte Clemens zu seinem Begleiter und blickte erneut Richtung Westen. Im Nebel der sich langsam von Osten her über den Ärmelkanal zog, erkannte er gerade noch die Silhouette eines Marineschiffes in einiger Entfernung an der Küste angelegt. Die Kanonenschüsse hallten noch in seinen Ohren, als er sich fragte wieso das Schiff ins Land gefeuert hatte.
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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   So März 29, 2015 12:17 am

Der Untote sah einen Vogel am Himmel fliegen. Er lag an einem Strand und Sybella hatte ihn erneut in diese Welt gezogen. Er betrachtete das Mädchen ausdruckslos, wobei er sich nicht bewegte. Der Kopf war ihr eh zugewandt. Er wusste nicht so richtig, was er nun tun sollte. Der Befehl lautete: „Töte den Blonden.“ Und Sybella lag einige Schritte weit entfernt und hatte verlangt, zu helfen oder? Das hatte er durch diesen grauen Schleier doch wahrgenommen. Oder nicht? Sie weinte und aus irgendeinem Grund fand er, dass sie das nicht sollte. Die Boote landeten am Strand und die Soldaten marschierten geradewegs auf die beiden zu. Sybella sah verzweifelt. Nun bewegte er die Finger und und seine anderen Muskeln so sacht, dass es kaum zu sehen war. Sie sah ihn an und ihre Augen strahlten aus, dass sie Hilfe brauchte. Er hatte sich nicht geirrt. SIE hatte ihn um Hilfe gebeten. SIE hatte ihn aus der grauen Hölle befreit und sie hatte furchtbare Angst. „Ein flehendes Bitte wehte in sein Ohr und Varus traf eine Entscheidung. Dieses Mal wusste er genau, wer ihn in diese Welt geholt hatte und musste nicht nur vermuten, dass es Lemon gewesen war. Sie brauchte Hilfe und wer war er, diesen Befehl zu missachten?
Er bewegte die Finger, die Arme, zog die Beine an und streckte sie wieder. Er drehte sich scheinbar mühsam auf die Seite. Natürlich bereitete es ihm keine Mühe und deshalb stand er dann auch einfach langsam auf.
Was mussten sich die Soldaten, die nur noch vier Schritte entfernt waren erschrecken, als plötzlich diese Leiche vor ihnen aufstand. Der erste Moment, war einfach nur von Schreck gezeichnet und auch ein wenig von Furcht, die sich nun gleich vermutlich noch ein wenig steigern würde. Der Untote ging langsam auf Sybella zu, um zu erfahren, wobei er helfen sollte und hockte sich vor sie hin. Die vollkommen verstörten Soldaten hingegen legten an. Kugeln fauchten um ihrer beider Ohren und der Untote schützte Sybella ob nun wissentlich oder unwissentlich, mit seinem ohnehin recht geschundenen Körper. Wenn das so weiter ging, würde er wohl bald einen neuen Körper brauchen, was ihm selbst natürlich nicht wirklich klar war. Er wendete den Blick zu den Soldaten und diese schienen langsam zu begreifen, dass sie mit ihren Kugeln nichts ausgerichtet hatten. Einer ließ die Waffe fallen und rannte einfach weg. Vielleicht hatte er zu viele Horrer-Märchen gehört. Die anderen stopften nun ihre Flinten nach. Der Unhold sah wieder zu Sybella und streckte ihr die Hand hin, dass sie sie ergreifen könnte. Scheinbar interessierte er sich gar nicht für die Männer.
Zögerlich streckte Sybella schließlich die Hand aus und der Untote führte sie langsam aber sicher nach oben, wobei er ihr aufhalf und immer noch in der Schussbahn stand. Erneut wendete er kurz den Blick zu den Angreifern und schien zu kombinieren. Er suchte den Strand ab und sah keine Spur von dem Blonden. Er glaubte aber auch, dass es wohl in Ordnung war, wenn er sich erst um diese Angelegenheit hier kümmerte. Das Mädchenhatte ihn zurückgeholt und deshalb erschien es ihm als seine Pflicht, ihren Anweisungen Folge zu leisten. Diese Männer hier, schienen es auf das Fräulein abgesehen zu haben und so wie sie bereits zugerichtet war, befand er, dass er sich um diese Männer kümmern musste. Vorher jedoch…

Ohne weitere Vorwarnung packte er Sybella nun fester, besudelte sie mit seinem Blut und rannte einfach los. Er war wirklich schnell und sprang förmlich über die scharfen Felsscharten. Nicht weit nur zu der Steilküste, wo er einen Schutz für das Mädchen suchte. Er setzte sie zwischen den Felsen ab, die sie vor den Kugeln schützen sollte, die so schnell waren, dass er nicht mal sah, wie sie auf ihn zuflogen. Er hatte gelernt, dass diese Kugeln aus den länglichen Waffen kamen, als Sybella ihm diese aus dem Körper entfernt hatte. Eine furchtbare Waffe, denn man hatte keine Chance diese Angriffe zu parieren. Als er sie nun abgesetzt hatte, fauchten erneut Kugeln um seine Ohren und wieder wurde er von einigen getroffen. Er spürte, das leichte Schupsen, aber Schmerzen hatte er nach wie vor nicht.
Er ging nun fast langsam auf die Männer zu, die sich in zwei Reihen aufgestellt hatten. Die erste Reihe kniend die zweite stehend dahinter. Sie stopften ihre Flinten erneut und nun rannte der Unhold erneut los. Er sprang in die Höhe und landete direkt auf zweien der Soldaten, die er mit seinem Gewicht um riss. Beide Hände packten jeweils einen Kopf und er schmetterte sie auf den felsigen Boden. Die Männer zogen ihre Säbel und der Untote tat es ihnen gleich, wobei er mit je einer Hand den Säbel der beiden Toten – denn das waren sie ganz offensichtlich – heraus zog. Kurz stiftete das wohl Verwirrung. Nicht nur, dass er eine auferstandene Leiche zu sein schien, er wollte nun auch noch mit Säbeln kämpfen? Das glaubte doch kein Mensch!
Noch ehe der erste Mann sich von dem Schock erholte, durchstach ihn der Säbel des Unholds. Der zweite fuhr im gleichen Moment durch die Kehle des Mannes daneben. Blut spritzte und die verbleibenden setzten zum Angriff an.
Der Unhold bemerkte, dass ihm diese Situation auf unerklärliche Art und Weise vertraut vorkam. Er konnte deutlich wahrnehmen, dass seine geborgten Hände ganz offensichtlich genau wussten, was sie taten. Nicht nur die Hände. Auch sein ganzer Körper. Er wich Klingen aus, wehrte sie mit den eigenen Waffen ab und schleuderte die Angreifer so regelmäßig durch die Luft, das er viel mehr Stärke in seine Schläge legen konnte, als es ein Normaler Mann könnte.
Der Unhold schlug einem der Männer den Kopf ab und hackte dem anderen so tief von oben in die Schulter, dass der Torso einfach aufklappte und der Mann mit aufgerissenen Augen umkippte. Der nächste bekam einen Hieb quer über den Bauch, wobei er die Waffe fallen ließ und irgendwie verzweifelt und überrascht versuchte, seine herausquellenden Gedärme wieder einzusammeln und in die Bauchdecke zu schieben. Was selbst redend nicht so richtig funktionierte, ehe er starb. Sein Kamerad, links von ihm, hielt die Hand vor den Mund, die ihm sogleich förmlich abgerissen wurde, als der Untote einen neuerlichen Kehlenschnitt durchführte. Zwei weitere Soldaten ließen die Waffen fallen und rannten um ihr Leben, während einer direkt vor die Füße des Untoten fiel und um Gnade winselte. Doch der Tod kennt keine Gnade und der Totlose auch nicht. Er spaltete ihm den Schädel und richtete die Klinge gegen den nächstbesten. Er war umzingelt und alle richteten ihre Schwerter gegen ihn. Es waren noch 18 Männer übrig, aber bisher hatte ihn noch nicht einer mit der Klinge verletzen können, doch unter diesen Umständen war es auch absolut bescheuert zu schießen. Sie hatten schließlich schnell begriffen, dass Kugeln dieser Kreatur… diesem Monster nichts anhaben konnten!
Der Unhold jedenfalls ließ ihnen keine Zeit und setzte seine Angriffsserie weiter fort. Trotz dessen, dass er seinen Körper nicht so elegant bewegte, wie er es vielleicht noch zu Lebzeiten hätte tun können, sah es so aus, als tanze er. Seine Angriffe waren präzise und er selbst spürte deutlich, dass sein Körper fast von selbst reagierte. Es war ein schönes Gefühl und doch irgendwie… befremdlich.

Auf der anderen Seite des Kanals war der Messerschwinger zusammen mit dem Entführer an Land gegangen. Er hatte sich dort erst mal die blutende Wunde versorgt und war nun allein mit dem Kerl. Was immer dieser Mann vorgehabt hatte, er wollte wissen, was es mit der Entführung des Prinzen auf sich hatte. Des Weiteren würde er alleine nicht sehr weit kommen. Erst mal musste er mit dem Kerl mitgehen, denn er wollte nicht alleine hier herumirren. Er wünschte sich nun wirklich zurück in eine gemütliche Taverne oder ein Hurenhaus. SO hatte er sich das alles nicht vorgestellt!
Der junge Mann bewaffnete sie wieder und sie gingen weiter den Strand entlang. „Wieso feuert die Marine auf ihre eigenen Leute?“, fragte er mehr oder weniger den jungen Mann. Vielleicht auch nur sich selbst. Plötzlich legte der junge Mann an und feuerte auf einen hockenden Mann, der nun einfach vorn über kippte. Ein überraschtes Pfeifen verließ seine Lippen und er sah den Kerl von der Seite an. Dennoch… Durfte er wirklich einfach so auf Leute ballern, die man noch nicht mal erkennen konnte, in der Hoffnung einen Feind zu treffen?
Sie liefen den Küstenstreifen entlang. Der getroffene, krümmte sich vor ihnen vor Schmerz und würde wohl bald sterben, aber der junge Mann mit den Nebelgrauen Augen schien sich nicht wirklich dafür zu interessieren, wie es dem Kerl ging. Sein Begleiter sagte jedenfalls, dass der Prinz noch am Leben sei. War die Anwesenheit des Prinzen der Grund für diesen Schlamassel? Waren es die Rebellen oder die anderen Leute? Gehörten sie nicht zu den Rebellen? Der junge Mann war sich unschlüssig, was er nun glauben sollte. Aber er musste herausfinden, was hier gespielt wurde und bei diesem Mann zu sein, erschien ihm deutlich sinnvoller, als auf gut Glück und ganz alleine herum zu ermitteln.
Er blickte zu seinem Begleiter: „Scheiß auf den Prinzen.“ IHM war der Königssohn scheinbar mehr als egal. Er sah auf die beiden Männer herab und dann wieder zu seinem Begleiter. Schließlich sagte er: „Ich bin im Übrigen Talon.“


Zuletzt von Varus am Mi Apr 01, 2015 4:58 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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Clemens

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BeitragThema: Re: Das Rädchen dreht sich...   So März 29, 2015 10:05 am

Clemens reichte Talon seine Hand.
"Sehr erfreut. Mein Name ist Clemens", sagte dieser und kniete sich zu dem Mann runter, der zu seinen Füssen lag. Clemens legte seine Finger an dessen Hals und versuchte seinen Puls zu fühlen. Clemens schüttelte den Kopf. Tot.
Dann ging er zu dem Rebellen, den er soeben angeschossen hatte. Dieser jammerte und wandte sich vor Schmerzen. Mit einem Druck auf die blutende Wunde an seinem Unterleib stoppte Clemens kurzzeitig ein stärkeres Ausbluten.
"Halte deine Hand genau hier hin. Stark dagegen drücken."
Clemens führte die Hand des Rebellen an die Stelle.
"Selber Schuld. Wir hatten eine Vereinbarung, dass ihr dem Prinzen kein Haar krümmt."
Als nächstes griff Clemens nach der royalen Weste des Prinzen, die dieser fremde, tote Mann trug. Obwohl dieser dem Prinzen sehr ähnlich sahen, erkannte Clemens ihn als einen der Matrosen des Schiffes wieder.
Die Weste des Prinzen sass dermaßen schlecht auf diesem Mann, dass er sie mit großer Wahrscheinlichkeit nicht selber angelegt haben kann. Irgendjemand schien den Tod des Prinzen vortäuschen zu wollen. Vielleicht sogar der Prinz selbst.
Clemens riß dem Hemd des Mannes einen großen Fetzen ab, um damit die Wunde des Rebellen zu verbinden.

Sybella hielt ihre Augen nur noch geschlossen, als sie die Schüsse hörte. Sie jaulte kurz, als sie der Unhold vom Boden aufhob und davon trug. Erst als er sie wieder absetzte, machte sie ihre Augen auf und schaute sich um. Der Unhold wütete wie ein Orkan durch die Reihen der Soldaten und nahm sie regelrecht auseinander.
Sybella wartete einen Augenblick, dann erinnerte sie sich wieder an den blonden Nordmannen und versuchte sich nach ihm um zuschauen. Sie konnte ihn bei bestem Willen nicht finden.

Clemens richtete sich auf und während er sprach schaute er sich in alle Himmelsrichtungen um
"Der Prinz war meine Fahrkarte für eine sichere Überfahrt nach Indien. Aber offensichtlich war er jemandem ein Dorn im Auge und so wollte man ihn entfernen. Wir sind unglücklicherweise zwischen die Fronten dieser kleinen royalen Fehde geraten."
Clemens sah zu dem Rebellen, den er vorhin angeschossen hatte und der langsam in ein Delirium verfiel.
Clemens verpasste ihm einen Tritt gegen die Schulter und der Mann jaulte auf.
"Wach bleiben, sonst stehst du nie wieder auf."
Clemens kniete sich erneut nieder und half dem Rebellen auf die Beine. Er stützte ihn unter den Armen und richtete sich gegen Westen. Mit einem Blick zu Talon fragte er:
"Was sind deine Pläne, Talon?"

Sybella bekam mit, wie zwei der Soldaten den Unhold von flankierten und von hinten angreifen wollten. Sie richtete sich auf und wollte ihn soeben warnen, da packte sie eine Hand von hinten und hielt ihr den Mund zu. Sie stöhnte unter der feuchten Hand auf. Panik stieg in ihn auf. Sie wirbelte mit ihren Händen um sich, doch ihr Angreifer hielt ihr stand. Sie hielt kurz inne, zog ihr Knie an und trat ihm mit voller Wucht zwischen die Beine.
Sie spürte wie sich sein Griff lockerte und riß sich von ihm ab. Sie stürmte nach vorn, stolperte mit ihren Absätzen auf dem steinigen Strand, fing sich jedoch wieder und rannte einige Schritt weiter. Sie spürte wie seine Finger nach ihr schnappten, sich für einen Augenblick an ihrem Hemd festhielten und sie für einen kurzen Augenblick zurück hielt. Sybella riss sich mit einem Ruck los und rannte weiter. Sie hörte den Mann hinter sich stöhnen. Den Stoff seiner Uniform aneinander schaben und seine Stiefel im Kies knirschen. Sie bildete sich sogar ein, seinen feuchten Atem auf ihrem nackten Nacken spüren zu können. Ihr schossen wieder Tränen in die Augen und sie verließen ihre Kräfte.
Sie spürte das ganze Gewicht des Mannes auf sich und wurde sofort von ihm auf den Boden gedrückt. Ihre Hände und Knie fingen das meiste des Sturzes ab und sie schlug sich die Haut auf. Sie kreischte, als sie die Hände des Mannes auf ihrem Körper spürte und wie er nach ihren Handgelenken schnappte. Sybella schloß die Augen vor Angst. Dann spürte sie sein ganzes Körpergewicht auf sich und er blieb regungslos liegen.

Finn hatte sich vor dem zweiten Soldaten versteckt gehalten können. In einem unbeobachteten Moment wollte er raus pirschen und ihm seinen Dolch in den Rücken stechen, als vom Meer her ein halbes Dutzend Kanonenkugeln über den Strand regneten. Finn duckte sich in Sicherheit und wartete, bis die herum fliegenden Trümmer gelandet waren.
Als er wieder auf schaute, war der Soldaten verschwunden und am nahe gelegenen Strand waren zwei Ruderboote angekommen. Als nächstes erhob sich der Unhold, gegen den er mühselig auf dem Schiff gekämpft hatte. Finn versuchte das Kampfgeschehen hinter den Felsen versteckt zu umgehen, als ihm wieder das Mädchen von vorhin auffiel.
Da tauchte der Soldat hinter ihr auf und griff nach ihr. Das Mädchen konnte sich zwar befreien, doch der Soldat blieb ihr auf den Fersen. Finn folgte ihnen, bis der Soldat das Mädchen eingeholt und sie auf den Boden geworfen hatte.
Finn zögerte nicht lang und rannte auf sie zu, stieß sich von einem großen Stein ab und sprang durch die Luft. Bei der Landung nutzte er seinen Schwung und rammte seinen Dolch in den Rücken des Soldaten, durch die ledrige Rüstung.
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